Von Woltgang Hoffmann

Sechzig Millionen deutsche Verbraucher, vom Baby bis zum Greis, sorgen täglich für das Wohl der deutschen Produzenten. Sie bestimmen den Absatz der Produkte, zugleich aber auch die Höhe von Gewinn und Dividenden. Denn sie konsumieren – Jahr für Jahr für rund 400 Milliarden Mark.

Um das Wohl der Verbraucher sieht es hingegen eher schlecht bestellt aus. Denn mit einem Werbeaufwand von rund 20 Milliarden Mark im Jahr mühen sich Wirtschaft und Industrie, den Verbraucher so zu halten, wie er nun mal ist: unkritisch und dumm. Wer heute einkauft, hat kaum noch die Qual der Wahl. Erst viel später stellt sich nämlich heraus, daß die Qualität kaum dem Preis entsprach, daß der Schinken in der Dose gesundheitsschädlich ist, daß jenes Make-up zu Allergien führt oder daß der neue Fernseher seinen Preis nicht wert war.

König Kunde? Das war vielleicht einmal. Heute ist der Konsument Sklave. Zwar haben sich Dutzende von Vereinen und Verbänden dem Verbraucherschutz verschrieben. Ihre Wirkung aber scheint gleich Null zu sein. Und käme der Bundesrechnungshof auf die Idee, all jenen Verbänden auf die Finger zu schauen, die von Bonn Geld für Verbraucherparolen kassieren, wir wären um manchen Finanzskandal reicher.

Da bestreitet zum Beispiel Margot Kalinke, Bundes Vorsitzende des "Verbandes der weiblichen Angestellten" und streitbare CDU-Abgeordnete im Bonner Parlament, ganz heftig, jemals auch nur einen Pfennig von Bonn für Verbraucheraufklärung erhalten zu haben. Feststeht aber, daß sie 1970 von Bonn für ihren Verband 6200 Mark kassiert hat, nachzulesen in der Bundestagsdrucksache VI 1484 – "Zuschuß für Fortbildungslehrgang zum Zwecke der Verbraucheraufklärung". Als Abgeordnete des Deutschen Bundestages hatte Margot Kalinke über diesen Zuschuß für ihren Verband mitzubefinden.

Die 6200 Mark, von der Margot Kalinke nichts wußte, sind freilich vom Steuerzahler leicht zu verkraften, läge nicht die Vermutung nahe, daß von den restlichen. 14 Millionen, die aus Bund (12 Millionen) und Ländern (2 Millionen) in die Verbraucheraufklärung fließen, ebenfalls niemand etwas wissen will. Auf mehr als 20 verschiedene Organisationen verteilen sich die 14 Millionen, die zum Nutzen der Verbraucher ausgegeben werden sollen. 1970 gehörten Kalinkes weibliche Angestellte ebenso dazu wie die Gesundbeter von der "deutschen grünen Front".

Die wichtigsten Geldempfänger: