Von Wolfram Siebeck

Natürlich gönnen wir den Städtern die Natur, öffnen wir ihnen nicht immer freundlich Tor und Keller, wenn sie an den Wochenenden aufs Land kommen? Wer wüßte wohl besser als wir, daß der Mensch nicht dafür geboren ist, zwischen Beton zu leben und Mief zu atmen.

Also sagte ich gestern, als wir im Wald einer pilzsammelnden Stadtfamilie begegneten (Wanderschuhe, Tirolerhut, Rucksack; so bekloppt läuft unsereiner hier nicht rum): "Seht die braven Leute! Sie ziehen die Stille des Waldes dem Verkehrschaos der Autobahnen vor!" – "Sie haben schon eine ganze Tüte voll Pilze!" ergänzte Old Shatterhand, der ein Auge fürs Detail hat. "Nur Geduld!" mahnte ich, da er die jugendlichen Brauen finster runzelte. "Wir sind gleich an unserer Stelle. Nach dem gottgefälligen Regen der letzten Woche schießen die Thallophyten mächtig ins Farnkraut!"

Doch als wir um die nächste Eiche bogen, prallten wir erschrocken zurück. Der vor uns liegende. Holzfällerweg war vollgestopft mit parkenden Autos aus der Stadt.

"Uff, uff! Ein Lager der Bleichgesichter!" rief Winnetou, und Robin Hood setzte hinzu: "Was suchen sie hier im Wald von Sherwood Forest?" Ich ahnte es.

"Vorwärts!" rief ich und deutete auf eine frische Kaugummipackung. "Weit können sie nicht sein!"

Die Nachhut erreichten wir bald. Es waren vor allem Mütter, die durch die mannigfachen Bedürfnisse ihrer plärrenden Wunschkinder ständig hinter Büschen und Bäumen aufgehalten wurden. Manche rasteten, vom ungewohnten Sauerstoff erschöpft, auf umgestürzten Bäumen und picknickten den Waldboden voll.