Je größer die Intelligenz, um so verheerender kann ihre Dummheit ins Kraut schießen. Selten sind es die Törichten, oft die schlauen Bescheidwisser, die der Welt ihre Niederlagen heimzahlen möchten. Günter Grass

Knobel-König

Die Endrunde eines von der "Times" und der Firma "Cutty Sark" veranstalteten Turniers um den Titel des schnellsten Kreuzworträtsellösers 1972 gewann der 43jährige Engländer John Sykes. Seit 20 Jahren knobelt er an den berühmten "Times"-Kreuzworträtseln, meist ab 11 Uhr nachts, seine Rekordzeit liegt bei 3 1/2 Minuten. Mr. Sykes, der außer einem im Kreuzworträtselmeister-Stil verzierten Silberwürfel eine Reise für zwei Personen nach Monte Carlo gewann, hat allerdings normalen Knoblern gegenüber einen großen Vorteil: im Hauptberuf ist er Herausgeber des "Concise Oxford Dictionary".

Architektenplatte: platt

Was müssen Architekten? "Etwas in eine räumliche Beziehung setzen." Wovor haben sie Angst? Vor der Mumifizierung der Stadt durch die Denkmalschützer. Was ist Architektur? "Angewandte Schizophrenie". Aber: "Gettoarchitektur ist sinnlich." Diese und viele andere, manchmal spaßige oder komische, öfter kokette und pubertäre, meist aber bloß platte "Behauptungen zur Architektur (in Österreich)" enthält die "erste von Architekten besprochene Schallplatte", herausgebracht von Günther Feuerstein (Architekturzeitschrift "Transparente", Postfach 289, A 1071 Wien) und von Peter Noever. Nur: die wirklich "erste von Architekten besprochene Schallplatte" ist um viele Jahre älter und stammt von der Berliner "Transparente"-Konkurrenz "Bauwelt". Darauf spricht Ludwig Mies van der Rohe – viermal so lang wie die Österreicher, aber nur einen Bruchteil so angestrengt witzig. "Trösten Sie sich", spricht einer der Platten-Architekten aus Österreich, "Architekten werden zu selten geboren."

Hitler kommt wieder

Auf dem Theater fing es an, nun zieht auch der Film nach: England steht im Zeichen einer den Kritikern schwer verständlichen Hitler-Nostalgie. "Hitler Dances", "Blitz Show", "Happy as a Sandbag" und "The Passion of Adolf Hitler" heißen die Stücke. Das letzte wird demnächst auch verfilmt und ist nur eines von vier geplanten ähnlichen Kinoprojekten. Der interessanteste Hitler dürfte der von Sir Alec Guinness werden ("Hitler: The Last Ten Days"). Auch unermüdlich große Fernseh-Serien über den Zweiten Weltkrieg führen den Engländern immer wieder die gute alte Zeit und das United Kingdom in seiner alten Pracht vor. Den Nachweis, daß der Look back to the Führer nicht nur die Briten fasziniert, liefert Italien; dort arbeiten, neben anderen, Sergio Leone, Carlo Lizzani und Lina Wertmüller an Filmprojekten über Mussolini. Und währenddessen feiert Chaplins "Großer Diktator" in Amerika neue Triumphe.