Ist für den Bund ein Hamburger weniger wert als ein Münchner?" so fragte Hamburgs Wirtschaftssenator Helmuth Kern. Wenige Tage zuvor schimpfte der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Horst-Ludwig Riemer: "Bei allem Verständnis für München – jetzt ist Schluß."

Doch auch das Olympia-Lieblingskind des Bundes ist unzufrieden: Hamburg, Nordrhein-Westfalen und München haben gleichermaßen Probleme mit ihrer S-Bahn.

Hamburg fordert finanzielle Unterstützung aus Bonn, weil das Defizit des Verkehrsverbundes steigende Tendenz zeigt und die Randgemeinden der Hansestadt nicht bereit sind, sich durch finanzielle Zuschüsse an den Kosten des Verkehrsverbundes zu beteiligen. München, so der Wirtschaftssenator Kern, erhält vom Bund "mehr als 100 Millionen Mark", während Hamburg leer ausgehe.

Minister Riemer indes verdächtigt die Bundesbahn, die Olympia-Stadt bevorzugt mit neuen S-Bahn-Zügen zu beliefern. Auf dem Nahverkehrsnetz, das die großen Städte des Ruhrgebiets verbindet, müßten deshalb länger als vorgesehen veraltete Züge verkehren.

Die Münchner wollen hingegen von einer Bevorzugung durch Bundesregierung und Bundesbahn bis jetzt noch nichts gespürt haben. Auch sie klagen über zu wenig Triebwagen. In der Tat sind die modernen Triebwagen, die Münchens Randgemeinden mit der City verbinden, chronisch überfüllt. Abhilfe sieht man beim Münchner Verkehrsverbund (MW) in der Anschaffung neuer zusätzlicher Triebwagen vom Typ ET 420.

Doch die Bundesbahn kann weder den Düsseldorfer Minister noch die MVV-Gewaltigen zufriedenstellen: Der Bundesbahn fehlt es am nötigen Bargeld, um zusätzliche Triebwagen zu bestellen. Ein ET 420 kostet immerhin 3,1 Millionen Mark. Vorerst sollen 200 Züge ausgeliefert werden; davon 120 nach München und 80 ins Ruhrgebiet – mehr können wegen Kapitalmangels nicht bestellt werden.

Bundesbahn-Präsidert Wolfgang Vaerst dreht deshalb den Spieß um und forderte von der bayerischen Landesregierung, daß sie sich an der Finanzierung zusätzlicher ET-420-Züge für München beteiligen soll. Von derartiger Finanzhilfe will der bayerische Landesherr freilich wenig wissen. In einem Brief an den Präsidenten der Bundesbahn lehnte Ministerpräsident Alfons Goppel das Ansinnen der Eisenbahner ab: Nach Goppel ist es "allein Aufgabe der Bundesbahn", die Münchner S-Bahn mit den erforderlichen Triebfahrzeugen auszurüsten.