Die Lage der Regierung Heath hat sich nach kurzer Verschärfung in der vergangenen Woche wieder leicht verbessert: sowohl in England, wo bei den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern Fortschritte erzielt wurden und die Notstandsmaßnahmen nicht voll ausgeschöpft werden mußten, als auch in Nordirland, wo Minister Whitelaw 65 IRA-Verdächtige freiließ und einen Termin im September für die Allparteiengespräche über die politische Zukunft Ulsters bekanntgab.

Nachdem die Regierung bereits Flugzeuge mit Medikamenten und Grundnahrungsmitteln auf die Shetland- und Orkney-Inseln gesandt hatte, erklärten sich die Dockarbeiter in Aberdeen bereit, Schiffe für diese Inseln abzufertigen. Die Lebensmittel- und Futtervorräte der Inseln waren nahezu erschöpft. Nach intensiven Gesprächen zwischen Dockern und Arbeitgebern zeichnete sich zu Wochenbeginn ein Kompromiß ab, über den am Mittwoch abgestimmt werden sollte. Tom Jones, Gewerkschaftsführer der Transportarbeiter, äußerte sich vorsichtig-optimistisch.

In Nordirland waren bis zum Wochenende mehrere Bombenanschläge zu verzeichnen. Zu Beginn der Woche wurde es ruhiger. Minister Whitelaw sagte den Abgeordneten der Sozialdemokratischen und Labour Party (SDLP) zu, eine Zusammenkunft zwischen SDLP und Premier Heath zu arrangieren. Ferner versprach er, die Internierungspolitik zu beenden und alle Verdächtigen freizulassen, sobald dies vom Sicherheitsstandpunkt her vertretbar sei.