Vermutlich werden auch andere neutrale Staaten, ziehen sich die Bahr-Kohl-Verhandlungen über einen innerdeutschen Grundvertrag noch lange hin, ihr Verhältnis zur DDR nach dem Schweizer Beispiel regulieren: noch keine Anerkennung, aber Beziehungen knapp unterhalb dieser Schwelle; noch keine Botschaft, aber eine Handelsmission mit konsularischen Befugnissen. Auch in Schweden und Österreich wächst die Zahl derer, die es – zumal im Zuge der Entspannungspolitik – für ein Gebot der Neutralität halten, Ostberlin nicht länger auszusparen.

Für die Bundesregierung wird das Geschäft dadurch nicht leichter. Denn die DDR mag nun um so mehr hoffen, weiter internationale Reputation gewinnen zu können, ohne einen ausreichenden Preis zur Normalisierung zwischen den beiden deutschen Staaten zahlen zu müssen. Indes, alles Pokern am innerdeutschen Verhandlungstisch führt nicht daran vorbei, daß die endgültige Anerkennung, die Aufnahme in die Vereinten Nationen und diplomtische Beziehungen auch mit Washington, London und Paris, ohne jenen Preis nicht zu haben sind. Das gibt den Ausschlag.

Im übrigen hat die Bundesregierung stets einkalkuliert, daß sich Fortschritte bei der innerdeutschen Entspannung schon vor einem Vertrag mit einem gewissen internationalen Geländegewinn der DDR überschneiden. Aber eine Alternative ohne dieses begrenzte Risiko gibt es nicht – es sei denn, Bonn kehrte zur Hallstein-Doktrin zurück. Abbruch also der Beziehungen zwischen Bonn und Bern? Gerade diese Vorstellung zeigt, wie absurd eine solche Politik wäre. C.-C. K.