Die Stimmung zwischen Kairo und Moskau ist nach wie vor gereizt. Beide Staaten haben ihre Botschafter zu Konsultationen zurückgerufen. Unterdessen hat die Beiruter Zeitung An Nahar angebliche Einzelheiten des Breschnjew-Briefes an den ägyptischen Staatspräsidenten Sadat veröffentlicht. Danach hat Breschnjew ein Treffen mit Sadat in der nächsten Zeit abgelehnt. Breschnjew soll besonders kritisiert haben, daß die Ausweisung der sowjetischen Militärberater zu einer Art "nationaler Befreiung" gemacht werde. Auch machte er darauf aufmerksam, daß Artikel neun des Zusammenarbeits- und Freundschaftsvertrags Moskau die Möglichkeit zu einer Intervention gegen die ägyptisch-libysche Union gebe, falls diese eine feindliche Haltung gegenüber den Russen einnehme.

Zur gleichen Zeit erklärte der syrische Präsident Assad, es läge gegenwärtig im Interesse des syrischen Volkes, von der Zusammenarbeit mit den etwa 2000 sowjetischen Experten zu profitieren. Im übrigen gebe es nur eine Lösung des Nahostkonflikts im militärischen und politischen Kampf.

Dagegen deutete der israelische Verteidigungsminister Dayan an, Israel könne jetzt bei der Festlegung von Bedingungen für eine Räumung der vordersten Front am Suezkanal geschmeidiger sein als in der Vergangenheit. Seine Zustimmung fand die Aufforderung des amerikanischen Außenministers Rogers, Ägypten und Israel sollten jetzt "aktive Verhandlungen" aufnehmen. Er umging damit die in Ägypten unbeliebte Phrase der "direkten Verhandlungen".