Das Politbüro der Kommunistischen Partei Italiens hat nach seiner Sitzung vom 8. August folgende Erklärung veröffentlicht:

"Die Serie von politischen Prozessen in der Tschechoslowakei, von denen einige mit harten Strafurteilen endeten, wirft neue schwerwiegende Fragen auf, sowohl was die Situation in diesem Lande vier Jahre nach der militärischen Intervention von 1968 betrifft, wie auch hinsichtlich der Prinzipien, die dem Aufbau des Sozialismus zugrunde zu legen sind. Es handelt sich um Probleme, die keine kommunistische Partei unberührt lassen können. Es ist daher ihre legitime Pflicht – da es an erschöpfenden Informationen und überzeugenden Erklärungen fehlt – Vorbehalte geltend zu machen und präzise Meinungen zu äußern, auch wenn sie die Methode der Einmischung in das innere Leben eines anderen Landes ablehnen und es klar ist, daß jede Partei selbst die Verantwortung für ihre eigenen Aktionen und Positionen trägt.

Die Italienische Kommunistische Partei hat durch ihre Führungsorgane, ihre Presse und noch verbindlicher durch ihre beiden letzten Parteitage ihre Ansichten über die tschechoslowakische Krise und über die allgemeinen Probleme der sozialistischen Demokratie bekräftigt. Aber der neue Rückgriff auf Methoden der gerichtlichen Verfolgung von Menschen, die bis 1968 qualifizierte Exponenten der Kommunistischen Partei und der tschechoslowakischen Kultur waren, und die außerdem schon jeder Möglichkeit einer Einwirkung auf das öffentliche Leben beraubt, ja sogar aus ihren beruflichen Stellungen entfernt worden waren – dies richtet die Aufmerksamkeit auf den fortdauernden Ernst der Lage in der Tschechoslowakei. Besonders schwer wiegt, daß man auf allen Gebieten und von Grund auf eine Logik der Vergeltung befolgt – gegenüber den Exponenten jenes politischen "neuen Kurses" von 1968. Aus all dem ergibt sich die erneute Ablehnung und Mißbilligung, die das Politbüro der Italienischen Kommunistischen Partei kundtun will.

Was die jüngsten Prozesse betrifft, so ist der konkrete Inhalt der von den Angeklagten eingenommenen Positionen und ihrer Taten nicht bekanntgemacht worden. Die Berufung auf die geltenden Gesetze der CSSR beantwortet noch nicht die Frage, wie wirklich die Freiheit der Meinungsäußerung garantiert ist. So stellen sich wiederum Grundsatzfragen, zumal ja schon lange die zeitweilig dramatische Anfangs- und Konsolidierungsphase des revolutionären Umwandlungsprozesses der Gesellschaft überwunden ist. Es sind die Probleme der vollen Beachtung der sozialistischen Legalität, zu der die Öffentlichkeit von Prozessen und der Ausschluß von Meinungsstraftaten gehört, die offene politische und ideelle Konfrontation als ein Hauptmittel, um wirklich negative und gefährliche Positionen zu bekämpfen.

Auch auf diesem Gebiet muß sich die – unter so vielen Aspekten und in so vielen Ländern schon so leuchtend erwiesene – historische Überlegenheit des Sozialismus bestätigen..."