Die Schweiz und die DDR sind übereingekommen, Handelsmissionen in Zürich und Ostberlin einzurichten. Ein entsprechendes Protokoll zu der bereits am 12. Juli getroffenen Vereinbarung wurde am Donnerstag voriger Woche in Ostberlin unterzeichnet. Die Missionen werden gewisse konsularische Befugnisse wahrnehmen: Erteilung von Visa, Legalisierung von Dokumenten, Rechtshilfe und -beistand. Bei den seit eineinhalb Jahren laufenden geheimen Verhandlungen hat die Entschädigung für Schweizer Eigentum, das in der DDR enteignet wurde (über 400 Millionen Mark), eine wichtige Rolle gespielt.

Bonn wurde von dieser Nachricht nicht überrascht; Bern hatte die Bundesregierung laufend unterrichtet. Eine Beeinträchtigung der gegenseitigen guten Beziehungen, so hieß es, sei ebensowenig zu erwarten wie eine Erschwerung des innerdeutschen Dialogs.

Für die innerdeutschen Gespräche gab das Bundeskabinett Mitte voriger Woche – wie erwartet – Staatssekretär Bahr einen offiziellen Verhandlungsauftrag. Regierungssprecher Ahlers nannte drei Kriterien: der Zusammenhalt der Nation soll gefördert, die Wiedervereinigung nicht erschwert und ein Maximum praktischer Zusammenarbeit erreicht werden.

Bundeskanzler Brandt rechnet allerdings nicht mit einer schnellen Einigung. Die Zeit bis zur Neuwahl des Bundestags sei sicherlich zu knapp; allerdings sollte nach seiner Auffassung dies Thema im Wahlkampf ausgeklammert werden.