Frankreich fordert von seinen EWG-Partnern finanzielle Unterstützung, um der Sowjetunion Getreide verkaufen zu können. Für knapp 200 Millionen Mark hat Moskau bei den Franzosen je 500 000 Tonnen Weizen und Gerste bestellt. Bei Lieferungen von Überschußgetreide aus der EWG in dritte Länder erhalten die europäischen Händler für ihre Transaktion Exporterstattungen aus dem EWG-Agrarfonds. Die Ausfuhrsubvention, mit der die Differenz zwischen dem hohen EWG-Binnenpreis und den niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt ausgeglichen werden soll, macht es erst möglich, die Überschüsse der europäischen Bauern in Drittländer zu verkaufen.

Die derzeitige Höhe der Exporterstattung bei Weizen und Gerste (rund 146 Mark pro Tonne) ist Frankreich nicht genug. Mit Hinweis auf die hohen Frachtkosten und die Möglichkeit, angesichts einer bevorstehenden Rekordernte für eine Millionen Tonnen neues Getreide Platz in Frankreichs Silos zu schaffen, beantragten die Franzosen bei der EWG-Kommission höhere Subventionen. Die Kosten dafür hätten größtenteils die Steuerzahler in den anderen EWG-Ländern zu tragen; die EWG-Mitgliedsstaaten finanzieren die Zuschüsse des Agrarfonds anteilig.

Für die französische Forderung gibt es einen Präzedenzfall. Schon 1968 und 1969 subventionierte die EWG Getreidelieferungen (600 000 und 800 000 Tonnen) der Franzosen an die Volksrepublik China. Damals erstattete Brüssel 255,60 Mark und 279,4 Mark je Tonne. Begründet wurde die erhöhte Erstattung damit, daß für die hohen Frachtkosten im Vergleich zu den niedrigen Preisen, die die Chinesen zahlen wollten, ein Ausgleich gegeben werden sollte.

Diesmal, so meinten EWG-Beamte nach Prüfung des französischen Antrags, werde die EWG-Kasse gewiß beträchtlich niedrigere Zuschüsse als bei dem China-Handel zahlen. Doch ganz läßt sich der Versuch, von der EWG-Solidarität zu profitieren, anscheinend nicht abwehren. Würde der Handel wegen Verweigerung der Subventionen nicht zustande kommen, müßte das überschüssige Getreide auf Kosten des Agrarfonds gelagert oder vernichtet werden. Und auch das kostet Geld. hhb