Die EWG-Gegner in der Labour Party geben nicht auf. Nachdem im Unterhaus die gesetzlichen Hürden aus dem Weg nach Europa geräumt worden sind, sinnen sie nun auf neue Hindernisse. Zwei Pläne wollen sie dem Labour-Parteitag im Oktober vorlegen. Der erste: Die Partei soll das Europäische Parlament völlig boykottieren. Der zweite: Falls Labour doch 17 Abgeordnete nach Straßburg entsendet, sollen sie sich dort nicht für die "idealistischen europäischen", sondern nur für die britischen Interessen einsetzen.

Von der feinen britischen Art zeugt keines dieser Vorhaben. Die "Mutter der Parlamente" hat offenbar auch ungeratene Söhne – zumindest unter den sozialistischen Antieuropäern. Ihre Boykottdrohung verrät schlechten Stil, ihr Sabotagevorhaben schlichte Unkenntnis. Denn warum verloren sich die Euro-Parlamentarier bisher in "europäischen Idealismus"? Weil sie wußten, daß ihnen ohnehin niemand zuhörte. Nicht zuletzt mit britischer Hilfe, so hatten sie gehofft, soll sich das Parlament vom nächsten Jahr an stärker bemerkbar machen.

Eine eitle Hoffnung, wenn sich die antieuropäische Labour-Lobby durchsetzen sollte. Statt jahrhundertealter Parlamentserfahrung wäre dann politischer Provinzialismus die Mitgift Großbritanniens für Europa. D. B.