Auf dem deutschen Aktienmarkt herrscht eine Nachzügler-Hausse, von der sich nicht sagen läßt, ob es sich bei ihr um die Auslaufbewegung des allgemeinen Kursanstiegs handelt oder bereits um die nächste Phase der Aufwärtsbewegung. Bei den bislang überdurchschnittlich gestiegenen Papieren werden Kursgewinne mitgenommen. Zum Teil fließen die freigewordenen Gelder in die "Zurückgebliebenen". Dazu gehören mit Sicherheit auch die Aktien der deutschen Großchemie, bei der die Ertragslage nunmehr besser zu werden beginnt. Wer allerdings davon träumt, hier einen ähnlichen Anstieg erleben zu können wie beispielsweise bei Siemens, sollte daran denken, daß die Siemens-Hausse im wesentlichen von den Ausländern getragen worden ist.

Ohne Beteiligung ausländischer Anleger werden die von einigen Tipdiensten genannten hohen Kursziele für Bayer, BASF und Hoechst sicherlich nicht erreicht werden. Bisher haben die Ausländer diese Papiere noch weitgehend "ausgespart". Das kann sich ändern, falls die Unternehmen es verstehen, den in- und ausländischen Anleger davon zu überzeugen, daß die Chemie trotz aller Rückschläge eine Wachstumsbranche geblieben ist. Durch die Fehlinvestitionen einiger Unternehmen hat das Chemie-Management viel Ansehen an der Börse eingebüßt. Steigende Gewinne könnten es wieder hoffähig machen.

Daß die Anleger bereit sind, Vorschußlorbeeren zu verteilen, zeigt der Fall Volkswagenwerk. Obwohl niemand für 1972 einen glanzvollen Abschluß erwartet, ist der Kurs der VW-Aktie in letzter Zeit kräftig gestiegen. K. W.