Er hätte das Buch nie geschrieben, erklärt der Autor, wenn er "nicht die Alternative zum Untergang sähe, die Alternative zu Blei, Smog und den Humanoiden" Das Buch von

Jürgen Claus: "Planet Meer" –Kunst und Umweltforschung Unterwasser; Verlag M. Du-Mont Schauberg, Köln; 211 Seiten, 19,80 DM

macht die Alternative, die der Künstler Claus gefunden haben will, keineswegs deutlich. Seine Sprache skizziert nur, sie beschreibt nicht, und da sich der Autor von der Wissenschaft ausdrücklich distanziert, bemüht er sich weder um Definitionen noch um Beweise.

Dennoch ist sein Sujet eng mit der Wissenschaft verknüpft, denn es handelt sich um Ozeane, um die Möglichkeit für die an ihren technischen Sinden zugrunde gehende Menschheit, sich ins Meer zurückzuziehen, unter Wasser zu leben – den weitaus größeren Teil unseres Globus, der ja nicht Festland ist, zu erschließen.

Dabei ist es Claus nicht etwa nur darum zu tun, daß wir unsere Haut noch einmal retten, bis wir schließlich auch die Unterwasserumwelt so sehr verschmutzt haben, daß der Mensch auch dort nicht überleben kann. Nein, mit dem Rückzug unserer Kreatur in das Medium, aus dem sie vor Urzeiten einmal gekommen ist, sollen wir vor allem die neuen geistigen Dimensionen ertasten, die sich dem Planet-Meer-Menschen notgedrungen auftun würden. In einem Interview, das in dem Buch abgedruckt ist, meint Robert Jungk, dem dies alles durchaus einleuchtet, er könne sich vorstellen, "daß man unter Wasser eine vollständig andere Art der Beobachtung, der Sprache entwickelt. Daß man eine viel größere Empfindlichkeit für Gesten hat, ebenso für Farben und Lichteinfälle. Was mich im Wasser am meisten berührt", fährt Jungk fort, "ich habe hier keine routinemäßigen Anhaltspunkte." Und ein neues Verhältnis zum Tier bekämen wir da unten auch, versichert Jürgen Claus.

Spinnerei? Ja, das ist es zum guten Teil, aber letztlich doch eine sympathische Spinnerei. Denn dem fraglos intelligenten Verfasser gelingt es, den Rudi des Sektiererhaften, der allzu leicht solchen Menschheitsrettern anhaftet, von sich fernzuhalten. Er versucht die Mittel, die er beherrscht, nämlich die Kunst, in den Dienst einer Sache zu stellen, die er für erstrebenswert hält. Und er tut dies, indem er phantasieanregende Spekulationen von sich gibt. Zudem vermittelt Claus in seinem Buch viel Information, zum Beispiel über technische Möglichkeiten – etwa zur Nutzung der Gezeitenenergie –, über architektonische Pläne oder naturwissenschaftliche Fakten.

Interessant ist das schon, was Jürgen Claus schreibt, auch wenn er seinen zuweilen holperigen Text mit mancherlei Banalitäten belädt und leider auch seine Leser allzu oft auf den ideenreichen Jürgen Claus hinweist.

Immerhin: Man kann sich nach der Lektüre nicht der Versuchung entziehen, über den Planeten Meer noch ein wenig nachzudenken.