DIE ZEIT

Schwarze Arroganz

Je schwärzer die Haut des Regierungschefs, desto widerspruchsloser nimmt die Welt despotische Handlungen hin, mit denen jener seine Untertanen zu Sklaven stempelt – wie jetzt in Uganda.

UN-Staat wird Unstaat

Wishful thinking nennen die Engländer jenes Denken, das zwischen Wunsch und Wirklichkeit keinen Unterschied zu machen versteht.

Für "Quick" auf die Barrikaden?

Manche hätten es gern so. Doch ist zu bezweifeln, daß es dazu reicht. Bei näherer Betrachtung bleibt eben doch nicht viel mehr als dies: ein weiterer Akt in dem zeitlosen, immer wiederkehrenden Konflikt zwischen zwei Staatsnotwendigkeiten: der Pressefreiheit und der Strafverfolgung, diesmal ausgetragen vor einer Kulisse von behördlichem Kleinschilda und journalistischer Chuzpe.

Berns Beispiel

Vermutlich werden auch andere neutrale Staaten, ziehen sich die Bahr-Kohl-Verhandlungen über einen innerdeutschen Grundvertrag noch lange hin, ihr Verhältnis zur DDR nach dem Schweizer Beispiel regulieren: noch keine Anerkennung, aber Beziehungen knapp unterhalb dieser Schwelle; noch keine Botschaft, aber eine Handelsmission mit konsularischen Befugnissen.

Letzte Schlacht?

Das letzte Bataillon der amerikanischen Infanterie in Vietnam hat den Kriegsschauplatz verlassen. Nordvietnam und der Vietcong haben eines ihrer Kriegsziele – den Abzug des amerikanischen Expeditionskorps – ohne Gegenleistung erreicht.

Politik mit Bauers Busen

Louis Bauer, der Firmengründer, druckte Visitenkarten für die gehobenen Stände und blieb ein kleiner Unternehmer. Sein Enkel, Alfred, Louis Heinrich Bauer, befriedigte die Bedürfnisse niederer Schichten und stieg zum Großverleger auf.

Die Affäre um das Bilderblatt „Quick“ wirbelt den ersten Wahlkampf staub auf: „Das hat uns gerade noch gefehlt!“: Staatsanwälte als Sündenböcke?

Die Justiz ist auf merkwürdige Weise zwischen die politischen Fronten geraten. Für Franz Josef Strauß ist es ganz klar: „Die Polizeiaktion gegen die „Quick“-Büros dient nur dem einen Ziel, der deutschen Presse die Möglichkeit zu nehmen, sich notwendige Informationen zur Erfüllung ihres verfassungsmäßigen Auftrags zu beschaffen.

Worte der Woche

„Die geschichtliche Sozialdemokratie ist durchgehend und kontinuierlich in ihrer tatsächlichen Politik eine revisionistische und keine revolutionäre Sozialdemokratie gewesen.

Zeitspiegel

Gustav Heinemann wird beim Flug zur Eröffnung der Olympischen Spiele drei japanische Schülerinnen in der Präsidentenmaschine mitnehmen.

Abrüstungskonferenz: Waffenspirale ohne Ende?

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben seit 1945 zehn Prozent ihres Sozialproduktes, zusammen mehr als zwei Billionen (gleich zweitausend Milliarden) Dollar für ihre Rüstung ausgegeben; 1,3 Trillionen die Amerikaner und etwa eine Trillion die Russen.

Italienische Farbfernseh-Komödie: Pompidous Handstreich

Mit der Arglosigkeit eines Postillions, der nichts als frohe Kunde bringt, blies der italienische Minister für das Post- und Fernmeldewesen – sein Name ist Gioia (Freude) – ins große Horn: Italiens elf Millionen Fernseher brauchen nicht mehr schwarz/weiß zu sehen; auch wenn Italiens Wirtschaft einem keineswegs rosigen Herbst entgegengeht, muß die staatliche Rundfunkgesellschaft RAI die Olympiade und dann auch die Tagesschau ab 26.

Giftige Mitgift

Die EWG-Gegner in der Labour Party geben nicht auf. Nachdem im Unterhaus die gesetzlichen Hürden aus dem Weg nach Europa geräumt worden sind, sinnen sie nun auf neue Hindernisse.

Schwarzer Peter

Protokollarisch exakt war der Einzug ins olympische Dorf: Der Union Jack wurde gehißt, die britische Hymne gespielt, die Sportler mit den britischen Pässen in der Brusttasche von Dorf-Bürgermeister Tröger mit launigen Worten begrüßt.

Kieler Universität: Schreck auf Raten

Man spricht in Kiel von der „Achse München–Kiel“: Olympischen Ehrgeiz haben die beiden Landesregierungen übereinstimmend auch auf die Hochschulpolitik übertragen.

Lokalzeit: Olympia mit Gips und Knall

Die große Olympiastadt an der Isar hat der Welt heitere Spiele versprochen. Die kleine olympische Schwester an der Kieler Förde wollte sich daraufhin keineswegs bierernst geben.

Zwist bei den Blockfreien

Die Außenministerkonferenz der 66 blockfreien Staaten, die Freitag vergangener Woche nach fünftägiger Dauer in der guyanischen Hauptstadt Georgetown zu Ende ging, hat das Lager der Bündnisfreien weiter geschwächt.

Dokumente der ZEIT

„Die Serie von politischen Prozessen in der Tschechoslowakei, von denen einige mit harten Strafurteilen endeten, wirft neue schwerwiegende Fragen auf, sowohl was die Situation in diesem Lande vier Jahre nach der militärischen Intervention von 1968 betrifft, wie auch hinsichtlich der Prinzipien, die dem Aufbau des Sozialismus zugrunde zu legen sind.

Streit um Vietnam-Politik

Das Thema Vietnam hat in der vorigen Woche gleich zweimal eine Rolle in der amerikanischen Innenpolitik gespielt. Averell Harriman und Cyrus Vance, beide ehemals Leiter der US-Delegation bei den Pariser Friedensgesprächen, erhoben den Vorwurf, Präsident Nixon habe zu Beginn seiner Amtszeit eine Gelegenheit zum Frieden versäumt.

England: Bald Streik-Ende?

Die Lage der Regierung Heath hat sich nach kurzer Verschärfung in der vergangenen Woche wieder leicht verbessert: sowohl in England, wo bei den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern Fortschritte erzielt wurden und die Notstandsmaßnahmen nicht voll ausgeschöpft werden mußten, als auch in Nordirland, wo Minister Whitelaw 65 IRA-Verdächtige freiließ und einen Termin im September für die Allparteiengespräche über die politische Zukunft Ulsters bekanntgab.

Uganda: Hilfe aus London

Der britische Europa-Unterhändler Rippon, der von der Regierung Heath zu Gesprächen über das Schicksal der Asiaten nach Uganda, Kenia und Tansania entsandt worden ist, ist nun doch mit dem Präsidenten von Uganda, Amin, zusammengetroffen.

Schweiz – DDR: Einigung erreicht

Die Schweiz und die DDR sind übereingekommen, Handelsmissionen in Zürich und Ostberlin einzurichten. Ein entsprechendes Protokoll zu der bereits am 12.

Naher Osten: Dayans Wink

Die Stimmung zwischen Kairo und Moskau ist nach wie vor gereizt. Beide Staaten haben ihre Botschafter zu Konsultationen zurückgerufen.

Katastrophe in der DDR

Die größte Flugzeug-Katastrophe Europas hat am Montag 156 Menschenleben gefordert. Kurz nach 17.10 Uhr stürzte eine vierstrahlige Düsenmaschine vom Typ lljuschin 62 der DDR-Gesellschaft „Interflug“ in ein Waldstück bei Königswusterhausen.

Politik hat sie nie interessiert

Plötzlich ist sie wieder da, wird interviewt, porträtiert, rezensiert: Leni Riefenstahl. Die Münchner Zeitschrift „Filmkritik“ bringt ein Sonderheft über sie, die amerikanische „Film Culture“ bereitet eines vor; die BBC sendet ein ausführliches Porträt und pro Woche einen ihrer Filme; der NDR bringt kommenden Dienstag, einen Tag vor der Olympiade (es ist zufällig ihr siebzigster Geburtstag), einen Film von Rolf Hädrich, „Erinnerungen an einen Sommer in Berlin“, in dem Joachim Fest sie interviewt und der Ausschnitte aus ihrem Film „Olympia 1936“ enthält; in München schließlich laufen trotz sommerlicher Hitze mit großem Erfolg die beiden Teile des Olympiafilms „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“, vor Jugendlichen, die das legendäre Opus endlich kennenlernen, und vor Erwachsenen, die sich erinnern wollen; der Ceres-Verleih beginnt daraufhin jetzt mit der bundesweiten Auswertung des Films.

Deutsches in Silber

Es sieht schon sehr silbrig aus in seinem von Otl Aicher entworfenen Schutzumschlag, und ich kann verstehen, daß manche zunächst zusammenzucken: Um Himmels willen, da soll also den zu Olympischen Spielen anreisenden Athleten deutscher Geist dargereicht werden, in Silber nur darum eingeschlagen, weil Gold denn doch zu klotzig wäre, mit Geleitworten von Gustav Heinemann und Willi Daume, ein Buch also, das trotz gegenteiliger Beteuerungen der Vorwortschreiber sich des Anspruchs gar nicht erwehren kann, der Welt zeigen zu wollen, was deutscher Geist vermag.

Argumente für und gegen: Schach

Dem etwas irren Robert J....................................................................................................

Die Schachweltmeisterschaften in Reykjavik: Vergiftete Bauern sizilianisch

Während die meisten deutschen Fernsehzuschauer nur noch mit körperlichen Spitzenleistungen in München und um München herum beliefert werden, werden in Island Spitzenleistungen des Intellekts ihren Höhepunkt erreichen – vom deutschen Fernsehpublikum so gut wie unbemerkt.

Die neue Schallplatte

Nach der technisch mediokren und musikalisch enttäuschenden Live-LP „Rock Love“, die stellenweise wie ein amateurhaftes B. B.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Neue Farbe, alter Geist

Auf den ersten Blick fällt dreierlei auf: Da hat doch schon wieder die Farbe gewechselt; hoffnungsgrün ist die Jubiläumsnummer, himmelblau war die Ausgabe vor vierzehn Tagen, und wiederum zwei Wochen vorher waren die erste und die letzte Seite milchschokoladenbraun.

Schulaffäre in Heidelberg: Pädagogik mit dem Knüppel

Einst wurde Heidelberg gern besungen und galt als Sinnbild einer romantisch heilen Welt; heute wird die Stadt oft gescholten, denn sie ist eine der unruhigsten in der Bundesrepublik: Sprengstoff- und Brandanschläge auf Professorenwohnungen, Bomben und Tote im US-Hauptquartier, ein sozialistisches Patienten-Kollektiv, das angeblich einen Staatsumsturz plant, Streiks in Schulen, Demonstrationen auf den Straßen, eine Universität, an der Studentenunruhen und Querelen mit dem Kultusminister des Landes, Wilhelm Hahn, die Regel sind.

Festivalverbot des Bayerischen Innenministeriums: Ist Rock Drogenmusik?

In der Bundesrepublik muß es immer noch Veranstalter geben, die an die heile Welt der Popfestivals glauben – und natürlich an die Möglichkeit, nach einigen Wochen organisatorischer Arbeit schnell einige zehntausend oder gar hunderttausend Mark einstreichen zu können.

Zeitmosaik

Den Hochschulen wird das Leben immer saurer gemacht. Seit neuestem werden sie nun auch noch gefragt, wie gut sie mit ihrem Geld umgehen.

Filmtips

Im Fernsehen: „Die Untersuchung“ (Italien 1968), von Gianni Amico und Bernardo Bertulucci (ARD 18. August). Ein italienischer Journalist versucht, einen allem Anschein nach zu Unrecht in einer Heilanstalt Festgehaltenen zu helfen.

Kunstkalender

KWARZ ist die jüngste und derzeit (vermutlich, genau weiß man das nie) einzige Berliner Künstlergruppe, nachdem „Großgörschen“ und „Potsdamer“ ihren Gruppengeist aufgegeben und ihre Mitglieder in die Prominenz entlassen haben.

Unsere Sprache: Nobel

Wir lesen es, seit geraumer Zeit, wöchentlich mindestens einmal im "Spiegel" und täglich in irgendeiner Zeitung: das Wort "nobel", beziehungsweise eine zum Substantiv emporgeadelte Version des ehemaligen Adjektivs, die immer neue Reize aus immer neuen Verkoppelungen mit anderen Substantiven bezieht.

Künstler auf Tauchstation: Humane Unterwelt

macht die Alternative, die der Künstler Claus gefunden haben will, keineswegs deutlich. Seine Sprache skizziert nur, sie beschreibt nicht, und da sich der Autor von der Wissenschaft ausdrücklich distanziert, bemüht er sich weder um Definitionen noch um Beweise.

Kritik in Kürze

„Der plebejische Intellektuelle“, von Gerhard Zwerenz. „Nichts ist sicher, das Instrumentarium der Skepsis ist das einzige, auf das wir uns verlassen können, das Engagement ist keine bloße Adaption, ist weder Anpassung noch Dogma, ist nichts, das auf alle Ewigkeiten feststeht.

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