Geschlossene Immobilienfonds bleiben in Mode. Täglich werden neue gegründet. Wenn ihre Anteile in der Regel rasch abgesetzt werden, dann liegt es einmal an den gut eingespielten Verkaufsorganisationen, zum anderen aber natürlich an der weitverbreiteten Vorstellung, mit Immobilienbesitz am besten gegen die Inflation geschützt zu sein.

Wie in "Gründerzeiten" üblich, gibt es aber auch auf dem Gebiet der geschlossenen Fonds "schwarze Schafe". Mit ziemlicher Sicherheit läßt sich heute schon sagen, daß längst nicht alle in den Verkaufsprospekten gemachten Versprechungen eingelöst werden. Aber das soll, meine verehrten Leser, heute nicht unser Thema sein.

Ich will Sie diesmal mit einer Grundstücksgesellschaft bekannt machen, die mir deshalb als vorstellenswert erscheint, weil hier niemand die Katze im Sack zu kaufen braucht und weil hier niemand über "Steuerbrücken" gehen muß, die sich vielleicht später als nicht tragfähig erweisen. Der Verzicht auf die bekannten Steuertricks nimmt dem jetzt gegründeten Fonds zwar für viele seinen Reiz, seine sonstigen Qualitäten erscheinen mir aber Grund genug, sich mit ihm näher zu beschäftigen.

Wenn ich sagte, daß keine Katze im Sack (oder ein lediglich projektiertes Objekt) angeboten wird, so meine ich damit, daß die Grundstücksgesellschaft Hamburg-Innenstadt (Pöseldorf I) 13 Grundstücke anbietet, die voll bebaut sind. Und zwar mit 16 Wohn- und Geschäftshäusern im Stadtteil Hamburg-Harvestehude an der Außenalster, in dem die Milchstraße eine Art "kulturellen" Mittelpunkt bildet. Wer die Wohnverhältnisse in Hamburg kennt, weiß, daß es sich hier um eine der besten Wohngegenden handelt, die zudem noch den Vorteil hat, der Innenstadt unmittelbar benachbart zu sein.

Die Gesamtgröße aller Grundstücke beträgt 8228 Quadratmeter. Es gehören dazu 124 Wohneinheiten, überwiegend moderne 1-Zimmer-Apartments. Außerdem 4450 Quadratmeter gewerblich genutzte Fläche und 57 Garagen. Alle Objekte sind voll vermietet.

Verkäufer aller Objekte ist Eduard Brinkama, einer der bedeutendsten Grundbesitzer dieses Stadtteils. Warum er jetzt "Kasse" macht, tut hier nichts zur Sache. Zu prüfen ist lediglich, ob der Kaufpreis, den der Fonds zu zahlen hat, nicht überhöht ist, sondern dem tatsächlichen Marktwert entspricht. Der Übernahmewert von 18,1 Millionen Mark ist von einer Gutachterkommission geschätzt worden. Diese wird auch weiterhin für den Fonds tätig sein und jährlich das Fondsvermögen feststellen. Nach dieser Schätzung richtet sich dann der Handels- und Rücknahmewert der Hanseatischen Grundbesitzbriefe, wie die Anteile an diesem Fonds genannt werden. Daß die Schätzung der Kommission realistisch ist, zeigt sich wohl darin, daß man auf einen Wert gekommen ist, der das 12fache der Jahresmieten beträgt. In der Regel setzt man den Wert von Miethäusern mit dem 14- bis 15fachen der Jahresmiete an.

Was wird geboten? Zunächst eine jährliche Ausschüttung von sechs Prozent. Diese Ausschüttung ist für 1972 einkommensteuerfrei, 1973 zu 50 Prozent, ab 1974 zu 30 Prozent. Für Steuerzahler liegt der effektive Nutzen also höher als sechs Prozent.