Von Michael Jungblut

Die Apokalypse kam diesmal aus. dem Computer. Ein mathematisches Weltmodell, konstruiert von einem Team des weltbekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT), wurde von einem Elektronengehirn durchgerechnet und skizziert die Entwicklungslinien der Menschheit über das Jahr 2000 hinaus. Das Ergebnis der Studie, die kürzlich unter dem Titel "Die Grenzen des Wachstums" auch auf den deutschen Buchmarkt kam, ist geeignet, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie läßt die Diskussion seither nicht mehr ruhen.

"Ein ziemlich plötzlicher und unkontrollierbarer Rückgang sowohl der Geburtenrate als auch der industriellen Produktion" kurz nach dem Jahr 2000 lautet die Prognose. Eine ausgeplünderte Erde zwingt die Menschheit zurück in die Barbarei – und spätestens unsere Enkel gehören zu den Opfern der Katastrophe.

Während sich die Zunft der Zukunftsforscher früher, vor allem damit beschäftigte, optimistisch gefärbte Prognosen über unvorstellbaren Wohlstand, ein Übermaß an Freizeit und den Sieg über Alter und Krankheit anzufertigen, malen sie heute vorwiegend schwarz. Das Jahr 2000 – nur noch knapp drei Jahrzehnte entfernt – wird immer mehr zu einem Datum des Schreckens. Für Sicco Mansholt, den gegenwärtigen EWG-Präsidenten, hat wirtschaftliches Wachstum – bisher der Stolz jeder Industrienation – bereits etwas "Diabolisches". Wachsen wir tatsächlich unaufhaltsam in eine Katastrophe hinein?

Mansholt und die sich ständig vermehrende Schar der Wachstumskritiker berufen sich auf die MIT-Prognose, die der Menschheit so gut wie keine Chance läßt, noch einmal davonzukommen. Ausgangspunkt der düsteren Vision aus dem Computer sind Berechnungen über die zu erwartende Bevölkerungszunahme, das Wachstum der industriellen Produktion und die damit verbundene Erschöpfung der Rohstoffreserven.

Während die Erde 1950 erst 2,5 Milliarden Menschen ernähren mußte, sind es heute bereits 3,6 Milliarden. Um die Jahrtausendwende werden nach den Berechnungen der MIT-Forscher etwa sieben Milliarden Menschen leben. Noch einmal dreißig Jahre weiter wird sich die heutige Weltbevölkerung sogar vervierfacht haben.

Der Verbrauch an Rohstoffen, Energie und Nahrungsmitteln wird unvorstellbare Dimensionen annehmen. Noch ehe die ebenfalls rasch zunehmende Verschmutzung der Umwelt menschliches Leben auf der Erde kaum noch möglich macht, wird deshalb die industrielle Produktion aus Mangel an Rohstoffen zusammenbrechen, wird die Nahrungsmittelknappheit Hungerkatastrophen nach sich ziehen und der Energiemangel das Ende der Zivilisation herbeiführen.