Die Ecole polytechnique ist neben der Ecole normale superieure die berühmte Elite-Schule der Franzosen. Sie untersteht dem Minister für Verteidigung. Und wenn nach Abschluß der Studien auf dieser Hochschule die jungen Leute als Ingenieure und Technische Offiziere in die Armee eintreten, dann entspricht dies der Tradition, nicht aber unbedingt der Praxis. Denn diese Akademiker, die unter den großten Begabungen ausgewählt wurden, dienen zwar fortan dem Staat, der ihr Studium schon finanzierte, doch kann dies auch in der Verwaltung, in der Forschung, bei öffentlichen Arbeiten geschehen.

Nichtsdestoweniger erregte es einiges Aufsehen, als Minister Debré vor längerer Zeit verkündete, es könnten auch weibliche Kandidaten zur Ecole polytechnique zugelassen werden, vorausgesetzt natürlich, daß sie die außerordentlich schwierige Aufnahmeprüfung bestehen, auf welche die jungen Leute sich nach dem Abitur in bestimmten Präparanden-Klassen vorzubereiten pflegen. Und wenn es dann soweit ist, dann erregt jedesmal die Nachricht gewisse Aufmerksamkeit, wer als Bester bei der Aufnahmeprüfung abgeschnitten hat. Also, diesmal war es Fräulein Chopinet...

Moment mal, was ist denn hier passiert? Kann ich den letzten Satz noch einmal hören?

Bitte sehr: Von achtzig Kandidaten, die sich um Eintritt in die Hohe Schule der Polytechniciens bewarben, sind acht angenommen worden. Als Beste schnitt Mademoiselle Chopinet ab. Sie war dem Gros der Mitbewerber um fünfzehn Punkte voraus. Dieses Gros wurde angeführt durch den, Vortrupp einer Gruppe, die "Ausländische Schüler" heißt. Und dieser "Vortrupp" hat den Namen Ta Thu Tuthy. Und es handelt sich – verdammt noch mal! – schon wieder um ein Mädchen, nämlich um eine junge Dame vietnamesischer Abstammung.

Da hätten wir dann also den Fall, daß schon beim erstenmal, da weibliche Kandidaten zu der bisher unter durchaus männlichen Vorzeichen stehenden Hochschule zugelassen wurden, auch gleich die Mädchen gesiegt haben.

In Paris – und das ist typisch für diese Stadt – Wurde -dabei vermerkt, daß es sich obendrein auch noch um hübsche Mädchen handelt. Mit anderen Worten: Wären sie häßlich, wär’s nicht so schlimm. Auch in Frankreich kennt man nämlich die in Deutschland bekannte Charakterisierung: Die eine ist, bildschön und sehr charmant, die andere ist innerlich ein feiner Mensch. Aber die Mamsellen Chopinet und Ta Thu Tuthy vereinen beide Merkmale in jeweils eigener Person. Verflixt und zugenäht!

Ich habe ein Buch gelesen mit schadenfrohen Antworten auf die Frage: "Hat der Mann versagt?" Nach der Lektüre habe ich mir dann die Augen gerieben, habe zugegeben, daß Männer immer Kriege machten, und habe den hohen Friedenswerk der Frauen eingesehen. Zwar kam mir Katharina, sie Große, in den Sinn. Aber sie liegt ja auch schon weit zurück. Die heute regierenden Damen jedoch, soweit sie Kriege führten, ob sie Madame Meir oder Frau Gandhi oder sonstwie heißen, würden nicht kriegerisch gesinnt sein, wenn sie nicht von Männern dazu gezwungen würden,