Das letzte Bataillon der amerikanischen Infanterie in Vietnam hat den Kriegsschauplatz verlassen. Nordvietnam und der Vietcong haben eines ihrer Kriegsziele – den Abzug des amerikanischen Expeditionskorps – ohne Gegenleistung erreicht. Vergebens hatten Richard Nixon und seine Ratgeber kalkuliert, die Gegenseite würde diesen Abzug honorieren und Amerika wenigstens eine Anstandsfrist von ein paar Jahren zubilligen, in der sich das Regime des Generals Thieu hätte über Wasser halten können.

Die andere Seite führt diesen Kampf als revolutionären Volkskrieg. Sie hat ihr politisches Endziel immer im Blick behalten: die Macht oder doch die Vorstufe zur Macht in Saigon. Um dieses Zieles willen hat sie in den letzten Monaten Hekatomben von Menschenopfern und die Verwüstung ganz Nordvietnams in Kauf genommen. Sie will – so vermessen das klingt – das große Amerika unters Joch zwingen.

Diese Strategie des "Kämpfens und Verhandelns" ist um keinen Deut besser als die Politik des großen Bombenknüppels, mit dem, wie einst schon Johnson, jetzt Nixon seinen relativ schwachen Gegner zu guter Letzt jetzt noch auf die Knie zwingen möchte. Dem Frieden, den beide Seiten wieder soviel beschwören, kommen sie auf diesem Wege, wenn es der einzige bleibt, nicht näher.

Bleibt es der einzige? Das ist im Augenblick die Frage. Henry Kissinger hat sich nach Geheimgesprächen mit den Nordvietnamesen in Saigon angemeldet. Ob sich etwas anbahnt – endlich?

K. H. J.