Von Josef Müller-Marein

Auf den ersten Blick fällt dreierlei auf: Da hat doch schon wieder die Farbe gewechselt; hoffnungsgrün ist die Jubiläumsnummer, himmelblau war die Ausgabe vor vierzehn Tagen, und wiederum zwei Wochen vorher waren die erste und die letzte Seite milchschokoladenbraun.

Unveränderlich aber ist der Preis: 50 Pfennig haben hier – wo gibt’s das sonst? – den Wert von 50 Centimes.

Drittens ist der "Pariser Kurier" zweisprachig, und schon der Untertitel heißt: "Deutsche Zeitung in Frankreich/Périodique Allemand Bilingue."

In beiden Eigenschaften – als deutsches und als zweisprachiges Blatt – ist der "Pariser Kurier" einmalig in Frankreich. Und Seltenheitswert hat nicht zuletzt die Tatsache, daß der Gründer der Zeitung – Albert Preuss – auch heute noch ihr Herausgeber und Chefredakteur ist.

Seit der Gründung im Jahre 1952 sind zwei Jahrzehnte vergangen. Gab es in der ersten Ausgabe ein Geleitwort von Wilhelm Hausenstein, der die Bundesrepublik damals noch nicht als Botschafter, sondern nur als "Geschäftsträger" vertreten durfte, so gratulierten zum Jubiläum Bundeskanzler Willy Brandt und Außenminister Walter Scheel, dessen französischer Kollege Maurice Schumann, der deutsche Botschafter in Paris Hans Hellmuth Ruete, der ehemalige Vorsitzende des DGB Ludwig Rosenberg, der CDU-Abgeordnete Ernst Majonica und Jean Monnet, der Präsident des "Aktions-Comité für die Vereinigten Staaten von Europa", dieser verehrungswürdige Mann, dessen ceterum censeo lautet: "Im übrigen bin ich der Ansicht, daß Europa vereint werden muß!" Alfred Grossers Glückwunsch klingt um so herzlicher ("Ja, ein glücklicher Geburtstag!"), als er, nachdem er die Geschichte und Vorgeschichte des Blattes gestreift hat, nicht verschweigt, was er gern besser gemacht sähe: Mehr Platz für Berichte auch aus der DDR; getrost mehr Schärfe in der kritischen Betrachtung.

Vorgeschichte: Es hat schon in den zwanziger Jahren die "Neue Pariser Zeitung" gegeben, ein Informationsblatt für deutschsprachige Leser. Es folgte das "Pariser Tageblatt", das Georg Bernhard, der Chefredakteur der "Vossischen Zeitung", herausgab, nachdem er 1933 aus Berlin via Dänemark nach Frankreich geflüchtet war: eine Emigrantenzeitung, die nicht nur mit materiellen, sondern auch mit geistigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, da die Mitarbeiter aus allzu verschiedenen Lagern kamen. Wie denn überhaupt die Emigration deutscher Literaten und Journalisten nach Frankreich schon in langer Vergangenheit ein besonderes Kapitel der europäischen Geschichte bildete. Willy Brandt erinnerte hier an Heine, Börne, Gutzkow, Herwegh und Karl Marx und hätte noch Görres und viele andere Namen hinzufügen können.