Kiel

Die große Olympiastadt an der Isar hat der Welt heitere Spiele versprochen. Die kleine olympische Schwester an der Kieler Förde wollte sich daraufhin keineswegs bierernst geben. Aber Humor – Karnevalisten kennen das – ist eine verdammt ernste Sache. Doch das wissen die Kieler erst seit einigen Tagen.

Stadtbaurat Hans-Joachim Kulenkampff, als Planer einfallsreich, aber nicht immer so pointensicher wie der ihm verwandte Fernseh-Kuli, setzte kurz vor den olympischen Segelwettbewerben eine außergewöhnlich heitere Note ins Kieler Stadtbild. An der Fördestraße nach Schilksee, Zufahrtsweg Tausender von Kraftfahrzeugen zum Olympiazentrum, ließ er von Hannoveraner Architekturstudenten gefertigte Figurengruppen aus Gips und Draht aufstellen, 47 lustige Männlein und Weiblein samt einem olympischen Dackelhund, vom Seemann mit Schnapsbuddel bis zur Dame vom Strich, lässige Gammler auch, brave Kinderchen mit Schultasche, Aalverkäufer und auch ein paar Typen, die am Aalverkäufer ihr kleines und großes Geschäft verrichten.

Diese Projektgruppe "Menschen an der Straße", Nachbildungen recht alltäglicher Geschehnisse, sollen zum Schauen provozieren, wollen auffällig sein in einer reizüberfluteten Stadtlandschaft, ohne künstlerischen Anspruch letztlich zum Schmunzeln reizen.

Doch diese heitere Note an der Kieler Olympiastraße – für Fußgänger ein herrliches Spaßvergnügen – bekam einen nicht vorausberechneten Knalleffekt: Autofahrer, diese humorig veränderte Landschaft plötzlich wahrnehmend, reagieren zwangsläufig mit einem kräftigen Tritt auf die Bremse... Aber das tut der Hintermann nicht immer, wenn auch ihm von einer am Straßenrand heißblütig erscheinenden Dame voll gipserner Körperformen zugewunken wird. Es knallte allzu häufig. Von der Polizei gewarnt, sich von den Gipsköppen nicht ablenken zu lassen, schleicht jetzt die Autokarawane gen Olympia auf der als Schnellverbindung konzipierten Straße.

Humor ist eine ernste Sache, wenn man für einen Auffahrschaden viel Geld hinblättern muß. Und kaum einer ist dann bereit zu bekennen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Gottfried H. Philipp,

Lokalchef der "Kieler Nachrichten"