Von Wolf Donner

Plötzlich ist sie wieder da, wird interviewt, porträtiert, rezensiert: Leni Riefenstahl. Die Münchner Zeitschrift "Filmkritik" bringt ein Sonderheft über sie, die amerikanische "Film Culture" bereitet eines vor; die BBC sendet ein ausführliches Porträt und pro Woche einen ihrer Filme; der NDR bringt kommenden Dienstag, einen Tag vor der Olympiade (es ist zufällig ihr siebzigster Geburtstag), einen Film von Rolf Hädrich, "Erinnerungen an einen Sommer in Berlin", in dem Joachim Fest sie interviewt und der Ausschnitte aus ihrem Film "Olympia 1936" enthält; in München schließlich laufen trotz sommerlicher Hitze mit großem Erfolg die beiden Teile des Olympiafilms "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit", vor Jugendlichen, die das legendäre Opus endlich kennenlernen, und vor Erwachsenen, die sich erinnern wollen; der Ceres-Verleih beginnt daraufhin jetzt mit der bundesweiten Auswertung des Films.

Im Grunde begann diese Renaissance schon um 1960, mit einer Dokumentation in der BBC und Wiederaufführungen des Olympia- und Reichsparteitagfilmes "Triumph des Willens" in Universitäten, Museen, Filmklubs und durch Fernsehanstalten vor allem in Amerika, England und Japan, dann auch in Frankreich und Skandinavien. Bereits Jahre vorher war der Olympiafilm mit Medaillen, Preisen und höchstem Lob bedacht und in Hollywood zu einem der zehn besten Filme der Welt erklärt worden.

Nur in Deutschland blieb es bei sehr sporadischen, oft klammheimlichen und von Widerständen begleiteten Auseinandersetzungen mit Riefenstahl-Filmen. Noch jetzt protestierte in Berlin die jüdische Gemeinde und der Bund politisch, rassisch und religiös Verfolgter gegen die Wiederaufführung des Olympia-Films.

Die Nachricht, sie werde für die Londoner "Sunday Times" auf der Münchner Olympiade photographieren, setzte erneut die Weltpresse in Trab. Als ich sie abends in ihrer Schwabinger Wohnung besuchte, waren am gleichen Tag Reporter zweier japanischer Zeitungen, der "New York Times" und des "Paris Match" bei ihr gewesen.

Sie sieht aus wie höchstens fünfzig, ist vital und redet entwaffnend arglos und natürlich. Ist sie froh über ihr Comeback?

"Natürlich freue ich mich darüber, aber es ist zu spät. Über zehn Jahre lang habe ich nach dem Krieg versucht, wieder zu arbeiten. Es wurde alles boykottiert. Langsam habe ich aufgegeben und bin dann nach Afrika gegangen." Immer wieder besuchte sie den Nuba-Stamm im südlichen Sudan, in den sie aufgenommen wurde und dessen Sprache sie spricht; sie machte Photo-Reportagen über den Stamm und arbeitet zur Zeit an einem Buch und einem Film darüber.