Von Heidi Dörr

Louis Bauer, der Firmengründer, druckte Visitenkarten für die gehobenen Stände und blieb ein kleiner Unternehmer. Sein Enkel, Alfred, Louis Heinrich Bauer, befriedigte die Bedürfnisse niederer Schichten und stieg zum Großverleger auf. In einer Hinsicht freilich hält es auch der Nachfahr mit den feinen Kreisen: Er selber und sein Unternehmen an der Hamburger Ost-West-Straße üben vornehme hanseatische Zurückhaltung gegenüber jeder neugierigen Öffentlichkeit.

Dieser Zurückhaltung ist es zuzuschreiben, daß zwar die 15 Gazetten des nach dem Gründer-Sohn genannten Heinrich Bauer Verlages (unter anderem "Quick" und "Neue Revue", "TV Hören und Sehen" und "Praline", "Sexy" und seit jüngstem auch die deutsche Ausgabe des "Playboy"), dazu seine ungezählten Roman- und Rätselheftchen in Millionen Haushalten gelesen werden, daß der Verlag aber nur für wenige ein Begriff ist und Eigentümer wie Manager sogar den meisten Branchenkennern nicht persönlich bekannt sind. Erst die "Quick"-Affäre hat Bauers Haus öffentlich bekanntgemacht – ein Verlag, der durch den Kauf zahlreicher Firmen zum Konzern ausgeweitet wurde und der mit seinen 650 Millionen Mark Umsatz und rund 5000 Beschäftigten nach Springer und Gruner + Jahr zum drittgrößten Presseunternehmen der Bundesrepublik aufstieg.

An der Zahl der verkauften Zeitschriften gemessen, steht der Heinrich Bauer Verlag, sogar an erster Stelle. In jeder Woche des Jahres setzt er durchschnittlich 16 Millionen Exemplare seiner illustrierten Sex- und Soraya-Blätter ab und hält damit den höchsten Anteil am Zeitschriftenmarkt: rund 22 Prozent.

Der Auflagenstar in dieser Bilderflut ist die Programm-Zeitschrift "TV Hören und Sehen" (verkaufte Auflage im letzten Quartal: 1,85 Millionen Exemplare). Rund 1,6 Millionen Deutsche mit Sinn für die bunte, heile Welt kaufen Woche für Woche die Soraya-Postille "Neue Post", deren Auflage – ebenso wie die von "TV Hören und Sehen". – noch weiter steigt. Wachsender Gunst des Publikums erfreut sich auch die "Praline" (1,1 Millionen), die vom Reisemagazin auf Verbal-Pornographie ("Haben Sie schon mal auf dem Küchentisch geliebt?") umgepolt, aus Angst vor einer Indizierung in letzter Zeit jedoch etwas gedrosselt wurde.

Weniger erfreulich für die Bauer-Manager entwickeln sich dagegen die Auflagen der beiden Illustrierten "Neue Revue" (1,54 Millionen) und "Quick" (1,35 Millionen). Der Versuch, mit rechtsgestrickten Enthüllungsstorys neue Käufer zu finden, ist fehlgeschlagen. Für die "Quick" erwies es sich sogar als Bumerang: Sie verlor im letzten Quartal rund 25 000 Leser. Ebenfalls in einem Absatz-Tief befinden sich die beiden Regenbogen-Produkte "Wochenend" (1,33 Millionen) und "Das Neue Blatt" (1,06 Millionen), wie auch die Damenoberbekleidungs-Zeitschrift "Neue Mode" (730 000).

Erfahrungen mit der schwankenden Gunst des Publikums gehören indessen zum täglichen Brot aller Verleger, die ihr Geschäft auf dem Lust-, Liebes- und Sensations-Defizit der Bevölkerung aufgebaut haben. Im Bauer-Verlag werden solche Entwicklungen sorgfältig registriert. Und, wenn es sein muß, werden ohne langes Zögern die Konsequenzen gezogen. In der Nachkriegsgeschichte des Hamburger Unternehmens gibt es mehr als eine Publikation, die eingestellt wurde. Jüngstes Beispiel: Am vergangenen Freitag erschien die letzte Ausgabe der "Nordfriesischen Rundschau", einer Tageszeitung mit zuletzt nur noch 5000 verkauften Exemplaren, die der Verlag erst Anfang dieses Jahres als Schwesterblatt der 1970 erworbenen "Norddeutschen Rundschau" gegründet hatte.