Im vergangenen Monat, jeder weiß es, hat die Post wieder einmal die Gebühren erhöht. Diesmal drastisch. Was der Postkunde bis zur nächsten Preisaktion für die amtlich vermittelte Kommunikation zahlen muß, läßt sich einem 48 Seiten dicken "Postgebührenheft" entnehmen, das – natürlich gegen Gebühr – in den Postämtern zu haben ist. Wer freilich meint, dort verständlich informiert zu werden, wird enttäuscht.

Ich jedenfalls fühle mich nicht klüger als zuvor, wenn ich unter römisch neun, dem Kapitel über den Fernsprechdienst, erfahre, daß ich im "Knotenvermittlungsstellenbereich" rund um die Uhr neunzig Sekunden lang für 21 Pfennig telephonieren kann. Was, o postalischer Sachverständiger für Gebührenheftsprachschöpfung, ist ein KnotenVermittlungsstellenbereich? Die beiden Beamten in meinem Postamt wissen das auch nicht. Das Fräulein vom Amt, mit dem ich zuerst verbunden wurde, wußte es ebenfalls nicht. Eine Kollegin im Hintergrund erklärte ebenso schlicht wie unwirsch: "Das ist doch ganz wurscht, ehrlich."

Weil ich es weder ehrlich noch unehrlich "wurscht" finde, erreichte ich schließlich jemanden, der des Postdeutschen mächtig ist. Das verbale Monstrum, so erfuhr ich, bezeichnet den Nahbereich um das jeweilige Ortsnetz. Warum nicht gleich so?

h. d.