Wer sich ein Urteil über den vermutlichen wirtschaftspolitischen Kurs Helmut Schmidts machen will, ist aufs Analysieren und Kombinieren angewiesen. Die Analyse kann sich auf viele Schmidt-Worte aus der jüngsten Vergangenheit stützen. Denn seinem ursprünglichen Plan, nur ein dpa-Interview zu geben, dann in Urlaub zu fahren und zu schweigen, mochte er offenbar nicht treu bleiben.

In diesen ersten Amtswochen zeichnete Schmidt die Konturen des Bildes neu, das sich die Öffentlichkeit von ihm macht: ein Mann, der nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt ist, sich nicht bei Dogmen aufhält, sondern dort energisch zupackt, wo Handeln Erfolg verspricht. Stark, verkürzt heißt seine wirtschaftspolitische Botschaft: Unter Schmidt wird es eher Überbeschäftigung geben als Arbeitslosigkeit; an den Konsequenzen für den Geldwert kann ein deutscher Wirtschaftsminister allein ohnehin nichts ändern.

Dabei wird er des Beifalls jener Kreise um Minister Eppler sicher sein, deren Einfluß innerhalb der Partei gewachsen ist. Den Beifall der Einflußreichen kann ein Mann nicht verschmähen, der Kanzlerkandidat der SPD für die fernere Zukunft sein könnte. Daraus ergibt sich eine Wirtschaftspolitik, die undogmatisch ist, aber den Gerechtigkeitsvorstellungen, die im Schoße der Partei diskutiert werden, stärker Rechnung trägt als die seines Vorgängers Schiller. R. H.