Von Gabriele Venzky

Je schwärzer die Haut des Regierungschefs, desto widerspruchsloser nimmt die Welt despotische Handlungen hin, mit denen jener seine Untertanen zu Sklaven stempelt – wie jetzt in Uganda. Das soll nicht als Weißwäsche für die Regierungen in Lissabon, in Salisbury und Pretoria verstanden werden. Doch nicht nur charity, auch Respekt vor der anderen Rasse begins at home. Zumindest vor ihrer Unabhängigkeit glaubten viele Staaten Afrikas noch daran.

Doch die Antirassisten der Theorie sind in der Realität zu Rassisten geworden. Zwar lassen die schwarzafrikanischen Staaten keine Gelegenheit verstreichen, um gegen die Rassenpolitik in den von einer weißen Minderheit regierten Staaten zu protestieren, und selbst in amerikanische Angelegenheiten mischen sie sich ein. Da werden Verurteilungen und Resolutionen durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen gepeitscht, da macht die Organisation afrikanischer Staaten (OAU) den Kampf gegen Ausbeutung und Rassendiskriminierung zu ihrem obersten Ziel.

Aber wo waren all diese Stimmen, als der Rassenkampf in Biafra tobte und zwei Millionen Menschen starben, als während des fünfzehnjährigen Rassenkrieges im Sudan Hunderttausende umkamen und als in Burundi das rassistische Völkermorden zwischen Watussi und Bahutu stattfand? Und wo bleiben die Proteste der OAU jetzt, da in Uganda mehr als 50 000 Inder und Pakistani von heute auf morgen aus ihrer Heimat vertrieben werden?

Vom vielbeschworenen Panafrikanismus bleibt wenig übrig, wenn die Schwierigkeiten im eigenen Land überhandnehmen. Dann nämlich werden Sündenbock gesucht und Pogrome als Ablenkungsmanöver angestiftet.

So wird unter dem Banner des Nationalismus "afrikanisiert", wie in Kenia, so blies Sekou Touré in Guinea zur Menschenjagd gegen angebliche Invasoren, Präsident Busia vertrieb 800 000 ausländische Afrikaner aus Ghana, Präsident Bokassa in der Zentralafrikanischen Republik hält sein Volk mit öffentlichen Hinrichtungen bei Laune und General Amin von Uganda greift auf die "Juden Ostafrikas", die Asiaten, zurück.

In Uganda kontrollieren sie 75 Prozent des Kleinhandels und einen Großteil des Kapitals. Als Händler, qualifizierte Handwerker und kleine Fabrikbesitzer, ein Monopol, das sie rücksichtslos ausnutzten, haben sie zusammen mit der ausländischen Hilfe die Wirtschaft in Schwung gehalten – und sich unbeliebt gemacht. Die Konfiszierung ihrer Betriebe und ihrer Vermögen hat stets die Massen jubeln lassen.