Protokollarisch exakt war der Einzug ins olympische Dorf: Der Union Jack wurde gehißt, die britische Hymne gespielt, die Sportler mit den britischen Pässen in der Brusttasche von Dorf-Bürgermeister Tröger mit launigen Worten begrüßt. Doch die Harmonie trog. Der Einzug der schwarzweißen rhodesischen Mannschaft wurde von den schrillen Mißtönen einiger afrikanischer Staaten begleitet: Unter Protest sagten Tansania, Äthiopien, Sambia und der Sudan ihre Teilnahme an den XX. Olympischen Sommerspielen in München ab.

Der Ärger war abzusehen. Zuerst hatte sich die Bundesregierung der Rhodesien-Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Mai 1968 angeschlossen, Rhodesien wegen der südafrikanischen Rassenpolitik keine Visa zu erteilen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) jedoch erkennt Rhodesien an und vergibt die Spiele nur an Länder, die keine politischen Auflagen erteilen. Hätte sich nun München ausschließlich an die UN-Resolution gehalten, so wäre der Konflikt mit dem IOC unvermeidlich gewesen. Mit der Einhaltung der IOC-Regeln wiederum war ein Boykott einiger Afrikaner zu erwarten.

Aus der Klemme zwischen UN und IOC half den Olympia-Planern zuletzt ein Trick: Alle Teilnehmer der Spiele dürfen mit einer vom Organisationskomitee ausgestellten Identifikationskarte in das Bundesgebiet einreisen, weil bestimmte staatliche Hoheitsakte auf das Nationale Olympische Komitee übertragen worden waren. Zudem handelte Willi Daume mit dem Obersten Sportrat aller afrikanischen Länder eine Kompromißformel aus: britische Fahne, Hymne und Pässe für die rhodesische Mannschaft.

Die Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) rief dennoch zum Boykott auf, dem sich auch noch Sierra Leone anschloß, das bereits aus finanziellen Gründen auf einen Start in München verzichtet hatte. Den Schwarzen Peter haben jetzt die uneinigen Afrikaner in der Hand. In München aber ist jedes Land willkommen, das olympisch, nicht aber vordergründig politisch kämpfen will. S. B.