Für die Sicherheit der Ölversorgung aus dem Iran müssen die Konzerne viel bezahlen

Als am 14. Februar 1971 die Bosse der westlichen Ölgesellschaften ihren Namen unter das Abkommen von Teheran setzten und damit respektablen Preiserhöhungen für Rohöl zustimmten, trug einer der Nutznießer eine besonders zufriedene Miene zur Schau: Schah Reza Pahlevi, Kaiser von Persien. Er hatte sich die Forderungen der Ölländer und ihrer Organisation, der OPEC, zu eigen gemacht und war energisch dafür eingetreten, die Konzerne gehörig zur Kasse zu bitten.

Kaum eineinhalb Jahre danach macht der Schah mit einer neuen Petroleum-Taktik Schlagzeilen – doch diesmal sehr zum Verdruß seiner arabischen Mitstreiter. Denn am 24. Juni, als die OPEC über ihre Forderung beriet, an den Bohrkonzessionen der Ausländer beteiligt zu werden, erklärte das iranische Staatsoberhaupt in London: "Wir haben unseren Grund und Boden schon 1951 nationalisiert. Die Beteiligung interessiert uns nicht."

Statt dessen tut der Schah alles, um die Aktionsfront der OPEC-Länder endgültig zu sprengen. In Teheran stehen Verhandlungen zwischen der staatlichen National Iranian Oil Company (NIOC) und den westlichen Ölgiganten vor dem Abschluß, die nicht ins Konzept der OPEC-Strategen passen können. Einem überwiegend angloamerikanischen Konsortium, das über 90 Prozent der iranischen Ölfelder ausbeutet, wurde eine "sichere Versorgung" angeboten – bis 1994.

Der Iran geht in der Nutzung seiner Erdölschätze seit langem eigene Wege. Bereits 1951 verstaatlichte Ministerpräsident Mohammed Mossadegh die Anglo-Iranian Oil Company und vermachte Bohranlagen und Ölreserven der NIOC. Doch 1954, nachdem Mossadegh mit Schimpf und Schande von der politischen Bühne verjagt worden war, wurde die Förderung des flüssigen Goldes einem Konsortium anvertraut, an dem die BP mit 40 Prozent den größten Anteil hält. Der Boykott des Persien-Öls wurde aufgehoben.

Der Schah wußte, daß sein Land das Öl nicht ohne Hilfe der Konzerne fördern und verkaufen konnte, aber er verstand es auch, sein Land am Reichtum, aus der Wüste teilhaben zu lassen. So bemühte sich die NIOC stets, auch Vertrieb und Vermarktung des Öls in den Griff zu bekommen. Jetzt heißt das erklärte Ziel des Monarchen: Verdoppelung der Ölförderung in 20 Jahren (also auf 500 Millionen Tonnen im Jahre 1990), Erhöhung, der auf der Petroleumförderung basierenden Staatseinnahmen auf das Achtfache. Außerdem soll das älteste Kaiserreich der Welt die größte Raffinerie aller Zeiten bekommen. Daneben werden riesige Pipelines und ein Hafen für Supertanker bis zu 500 000 Tonnen entstehen.

Finanziers dieser kostspieligen Projekte: die Ölkonzerne des Iran-Konsortiums von BP und Shell bis zu Gulf, Mobil, Texaco, Standard Oil und Compagnie Française des Pétroles. Zwanzig Prozent der geförderten Menge (bisher zwölf Prozent) müssen die Mitglieder des Konsortiums allerdings an die NIOC zum Selbstkostenpreis abliefern.