Von Herbert Rosendorfer

Man versteht das heutzutage nicht mehr. Bei den alten Griechen sind die Sportler nach Olympia gegangen, die Spiele haben stattgefunden, die Sportler sind wieder fortgegangen. Aus. Wie haben sie das nur gemacht? Man weiß; daß die Sportler sich gründlich vorbereitet haben, trainiert, gedopt und bestochen wurden, alles genau wie heute. Aber die Veranstaltung, die Spiele selber... Es gab kein IOC, keine NOKs, keine Olympiabaugesellschaft, keine Olympiabriefmarken, kein Pressezentrum, keinen Olympiawaldi, nicht einmal die olympischen Ringe.

Wie machten die das nur? Entweder waren die Griechen ganz speziell für das Showgeschäft begabt oder – das antike Olympia war keine Show. Mag es gewesen sein, wie es will, wir können es nicht ergründen. Auch die alten Griechen sind so ein Volk, das uns Rätsel aufgibt. Wir brauchen das IOC, die NOKs, den Olympiawaldi und vor allem eine Generalprobe: Das waren die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Die Generalprobe ist gelaufen. Wir können den Olympischen Spielen ruhig entgegensehen. Es wird keine Überraschungen geben.

Erstens: das Zeltdach hat sich nicht verfärbt. Es gibt keine braunen Flecken auf dem Zeltdach. Außerdem lassen sie sich mit einigen geringfügigen Millionen leicht beseitigen und dann, was ist eigentlich. gegen braune Flecken einzuwenden? Hitler hat Wagner gemocht, und doch wird Wagner gespielt. Was kann die braune Farbe dafür? Warum soll der braunen Farbe nicht recht sein, was Richard Wagner billig ist? Braun ist in den letzten Jahren zunehmend Modefarbe geworden, und warum soll das Zeltnach nicht braune Flecken haben?

Kühe, speziell die in Oberbayern beheimateten und üblichen Kühe, haben braune Flecken, und da brechen die ganzen Preußen und Eskimos und Lappländer, die nur Rentiere gewohnt sind und zu uns auf Urlaub kommen, in Begeisterungsschreie aus, wenn sie die braungefleckten Kühe sehen. Warum soll das Zeltdach nicht braungesprenkelt sein? Den Blick auf den weißblauen Himmel durch das kuhfarbene Zeltdach – ist das nicht nachgerade ein symbolisches Bild für das gottgesegnete Bayernland?

Zweitens: diese Unkenrufe, daß zu wenige der Zuschauerplätze überdacht sind. Die Architekten haben schon richtig gerechnet. Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften war schönes Wetter. Aber es hätte auch in Strömen regnen können. So viele Zuschauer, daß sie nicht alle unter dem Zeltdach Platz gehabt hätten, sind gar nicht gekommen. Und außerdem: Wenn schönes Wetter ist, haben es die auf den nicht überdachten Plätzen viel besser. Das Zeltdach wirkt wie ein Brennglas. Wenn die Sonne ordentlich scheint – das ist im Sommer in München immerhin nach statistischer Auswertung des prüfbaren meteorologischen Materials bis zu sechsmal möglich –, dann ist unter dem Zeltnach ein Besucherschwund von 4,3 Prozent durch Verdunsten zu verzeichnen. Auf den nicht überdachten Plätzen verdunstet keiner. Hat davon irgend jemand einmal gesprochen? Nein. Also!

Drittens: Immer wieder wird der Bierernst der Sportveranstaltungen kritisiert. München hat – das scheinen manche vergessen zu haben – von vornherein erklärt, daß es spielerische Spiele veranstalten werde. Was das bestrifft, so hat die Organisation bei den deutschen Leicht- – athletik-Meisterschaften ihre Bewährungsprobe bestanden. Die auserlesene Gruppe von Zuschauern, die ins Stadion wollte, stand vor spielerisch verschlossenen Türen. Die Polizei entfernte launig einige Stacheldrahtzäune. Durch eine kleine Lücke konnten die Zuschauer ins Stadion schlüpfen. Ein netter Gag.