Der Autor weiß immer mehr, als er kann, und er kann immer mehr, als er weiß.

Peter Hacks

SPD ohne Mumm?

Den Hochschulen wird das Leben immer saurer gemacht. Seit neuestem werden sie nun auch noch gefragt, wie gut sie mit ihrem Geld umgehen. So hat die Landesregierung von Baden-Württemberg eine Modelluntersuchung zur Wirtschaftlichkeit an den Universitäten beschlossen. Sie soll an der Universität Hohenheim von einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft vorgenommen werden und die Stuttgarter Regierung 415 000 Mark kosten. Die Bayern hatten inzwischen die gleiche Idee. Aufgestachelt durch eine heftige Kritik des Obersten Rechnungshofes, der die Diskrepanz zwischen den für die Hochschulen aufgewendeten Mitteln und der zu geringen Vermehrung der Zahl der Studienplätze aufgefallen war, wird dort ebenfalls eine Kommission tätig werden. Ort der Modelluntersuchung soll die Universität Erlangen-Nürnberg sein. Die Universität hat sich freiwillig für das Experiment gemeldet, hat allerdings den cleveren Wunsch geäußert, sich selber zu untersuchen. Begründung: Rechnungsprüfer und sonstige Beamte verstehen zu wenig vom Innenleben einer Hochschule. Ob es klug wäre, diesem Begehren nachzugeben, ist in München noch nicht entschieden worden. Die Diskussion über das Haushaltsgebaren der Hochschulen ist bisher nur in CDU-Ländern in Gang gekommen. Der SPD fehlt offenbar noch der Mumm, sich den Hochschulen in ihren Ländern ebenfalls in der Pose des sparsamen Hausvaters zu nähern.

ARD-Sommergewitter

Immer schwerer tut sich die ARD (Erstes Fernsehprogramm) mit ihren Ämtern, Kompetenzen und Richtlinien, nur mühsam werden oft die Rivalitäten zwischen den einzelnen Anstalten überbrückt. Nun hat in der vergangenen Woche Gerd Ruge ("Bericht aus Bonn") am föderalistischen ARD-Gebäude gerüttelt. Die Geschichte seines kurzfristig und offenbar recht unglücklich amputierten Chinaberichts, für den er schon aus Peking zehn Minuten Verlängerung beantragt hatte, ist ein kaum entwirrbares Knäuel: Dabei spielen Urlaubs-Vertretungen eine Rolle, formaljuristische Entscheidungen, übertrieben heftige Reaktionen, Solidaritäts-Erklärungen und sogar die Spekulation, nun werde auch Ruge zum ZDF gehen. Glaubte sich eine Bildschirm-Diva nicht an das alltägliche Zeiten- und Längen-Korsett jedes Journalisten halten zu müssen? Ist die ARD zu bürokratisch und unflexibel geworden (was angeblich schon Troller und Scholl-Latour zum ZDF getrieben hat)? War alles nur ein Karussell hitze- und urlaubsbedingter Mißverständnisse? Die ARD sollte nicht noch mehr Einzelkommentare publizieren und provozieren, sondern eine endgültige und klare Stellungnahme bringen.

Preis für "du"

Der schweizerischen Kulturzeitschrift "du" wird in diesem Jahr der von der Deutschen Gesellschaft für Photographie gestiftete Erich-Salomon-Preis verliehen. Sie erhält den Preis für "ihre vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik", eine Begründung, die nicht nur voll zutrifft, sondern einer Ergänzung bedarf von einer Seite her, für die die Preisverleiher freilich nicht zuständig sind: Die vorbildliche und vorbildlich angewandte Photographie wird nämlich sinnvoll erst im Zusammenhang mit fundierten Texten, durch ein Gespür für Themen einerseits und die Konzeption einer Zeitschrift andererseits. Bei "du" ist dieses Zusammenspiel der Kräfte in einem wohltuender Maß vorhanden. Die Monatsschrift, deren Redaktion von Manuel Gasser geleitet wird, erscheint jetzt im 32. Jahr und wird hoffentlich noch 32 weitere Jahre erscheinen.