Die Außenministerkonferenz der 66 blockfreien Staaten, die Freitag vergangener Woche nach fünftägiger Dauer in der guyanischen Hauptstadt Georgetown zu Ende ging, hat das Lager der Bündnisfreien weiter geschwächt. Prozedurfragen überschatteten das Treffen, das sich ursprünglich ein ehrgeiziges Programm gesetzt hatte: Neudefinition der Beziehungen zu den Großmächten; verstärkter Kampf gegen Neokolonialismus, Apartheid und Rassendiskriminierung; Maßnahmen gegen Kriege und Drohung mit Gewalt; Schaffung von Friedenszonen; Fragen des Seerechts, der Abrüstung und der internationalen Sicherheit; Aufwertung der Vereinten Nationen samt einer besseren Repräsentation der Blockfreien in der Weltorganisation.

Der Gastgeber, Ministerpräsident Forbes Burnham, hatte zur Eröffnung die "ernsthafte Neigung der Großmächte zur Entspannung" gelobt. Damit habe sich das Klima deutlich zugunsten einer blockfreien Politik gewandelt, die nun – unter anderem durch eine Reform des UN-Sicherheitsrates – auf größeren Einfluß bei internationalen Entscheidungen drängen sollte. Die Mehrheit freilich bezog einseitig Position gegen die Westmächte.

Der Zwist brach auf, als die Konferenz die Provisorische Revolutionsregierung Südvietnams als Vollmitglied zuließ (angeblich mit 23 gegen acht Stimmen). Indonesien, Malaysia und Laos stellten daraufhin unter Protest ihre Mitarbeit ein. Die Konferenz beschloß, der FNL, die bisher nur Beobachterstatus hatte, der künftigen Gipfelkonferenz als Vertreterin Südvietnams vorzuschlagen. Den kambodschanischen Sitz erhielt die Exilregierung von Prinz Sihanouk. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrein wurden neu aufgenommen.

Das Schlußkommuniqué verlangte von den USA, die Bombenangriffe auf Nordvietnam einzustellen und "ernsthaft" auf den Sieben-Punkte-Plan Hanois zu antworten. Israel wurde zum bedingungslossen Rückzug aufgefordert. Den afrikanischen Befreiungsbewegungen versprachen die Außenminister verstärkte Hilfe. Spanien soll ein Referendum in der spanischen Sahara abhalten, und den Vereinten Nationen wurde empfohlen, sich des "unter kolonialer Herrschaft stehenden Puerto Ricos" anzunehmen.