• Naher Osten

Nach der Ausweisung der sowjetischen Militärberater aus Ägypten – zur Zeit sollen nur noch knapp 300 im Lande sein – sind auch die politischen Fronten in Bewegung geraten. Kairo setzte in der vergangenen Woche seine Politik der "Tritte gegen das Moskauer Schienbein" energisch fort. Die Sowjetunion habe, so die ägyptischen Zeitungen, nicht nur den Freundschaftsvertrag verletzt, Kairos Interessen verraten, "erschreckende Ansichten" über den Nahen Osten gehegt und auf eine Kapitulation Ägyptens vor Israel abgezielt; sie sei auch mangels geeigneter Rüstung gar nicht in der Lage gewesen, die gewünschten modernen Waffen zu liefern, die etwa den von Israel geflogenen Phantom-Maschinen ebenbürtig sind.

Präsident Sadat kündigte am Freitag eine neue politische Initiative an. Er würde, so erklärte er am Wochenende, "ohne großes Zögern die Hand der USA ergreifen", falls Washington bereit sei, seine Haltung gegenüber Ägypten zu revidieren. Kontakte zu den USA hätten immer bestanden. Außenminister Ghaleb versicherte zum gleichen Zeitpunkt, sein Land biete Israel einen Friedensvertrag an: "Wir wollen Frieden, und wir brauchen Frieden.

  • Vietnam

Die Gegner auf dem Kriegsschauplatz in Vietnam haben in der vergangenen Woche eine rege diplomatische Aktivität entfaltet, deren Einzelheiten zwar nicht bekannt wurden, die aber um so mehr Spekulationen hervorriefen. Sicherheitsberater Kissinger flog von Paris nach Saigon und anschließend weiter nach Japan; das nordvietnamesische Politbüromitglied Le Duc Tho reiste über Moskau und Peking nach Hanoi.

Washington dementierte energisch, daß Kissinger den südvietnamesischen Präsidenten Thieu zum Rücktritt bewegen wollte. Doch die amerikanische Unterstützung für Thieu stellt sich immer mehr – auch im Lichte des amerikanischen Wahlkampfes – als das Haupthindernis für eine Lösung des Konflikts heraus. In Tokio besprach Kissinger mit Premierminister Tanaka das geplante Gipfeltreffen auf Hawaii und Japans China-Politik.

Hanoi forderte unterdessen bei den Pariser Verhandlungen erneut ein Eingehen auf seinen Sieben-Punkte-Plan; Washington drohte wiederum mit einem Boykott der Konferenz. Militärisch hat der Norden in der Vorwoche Fortschritte gemacht: Südlich von Da Nang, nur acht Kilometer vor Saigon und vor Quang Tri sind die Nordvietnamesen erfolgreich zu neuen Angriffen angetreten.