Als zu Beginn des Jahres 1970 ein Mr. Pollock mit Erfolg Anteile des internationalen Immobilienfonds United Growth Fund zu verkaufen begann, habe ich an dieser Stelle unter der Überschrift "Ein Prospekt wird zum Verräter" vor der Anlage in diesem Fonds gewarnt. Der Prospekt offenbarte so viele Fußangeln und so wenig Seriosität, daß es nicht schwer war, bei ihm eine Katastrophe für die Anleger vorauszusagen. Sie ist inzwischen auch eingetreten. Die USI-Gruppe, dazu gehört der United Growth Fund (UGF), steht unter Zwangsverwaltung. Dem Zwangsvollstrecker Mr. William Tassock (USA) ist es trotz monatelanger Bemühungen immer noch nicht gelungen, ein vollständiges Vermögensverzeichnis vorzulegen, weil – so teilt der Vorstand der Schutzgemeinschaft der USI-Anleger und Anlageberater e. V., Volkert Hoffmeyer, mit – Mr. Pollock und seine Mitarbeiter ihrer Pflicht, auch das letzte mit Mitteln der Anleger erworbene Vermögensstück zu offenbaren, nicht voll nachgekommen sind.

Und wenn es schon einem von der amerikanischen Börsenkontrollbehörde SEC eingesetzten Zwangsverwalter nicht gelingt, Klarheit zu schaffen, wer sollte dazu sonst in der Lage sein? Sie mögen daraus erkennen, meine verehrten Leser, wie schwierig es selbst in den USA ist, ungetreuen Immobilienfonds-Verwaltern auf die Schliche zu kommen und die von ihnen unrechtmäßig angeeigneten Gelder zurückzuerhalten. Dabei sind in den USA die Rechtsverhältnisse auf diesem Gebiet einigermaßen geordnet. Wenn solche Prozesse in exotischen Ländern geführt werden müssen, wird die Angelegenheit noch komplizierter. Bei Anlagen in Übersee muß man sich die Partner genau ansehen. Wer blind vertraut, ist sein Geld los. Davon wissen auch die deutschen Anleger bei den Immobilienfonds Gramco oder Parfund ein Lied zu singen.

Aber zurück zum Fall USI. Es wird vermutet, daß noch etwa drei bis fünf Millionen Dollar an verborgenen Vermögenswerten aufgefunden werden können. Dazu Hoffmeyer: "Trotz der ungeheuren Mißwirtschaft des Pollack-Clans können keine 75 Millionen Dollar für Verwaltung, Werbung und Fehlanlagen verschwendet worden sein." Bleibt es bei den bislang dem Zwangsverwalter bekannt gewordenen Werten, kann der einzelne Anleger froh sein, wenn er 10 Prozent dessen erhält, was er dereinst eingezahlt hat. Und wenn der deutsche Anleger die Änderungen der Währungsrelationen berücksichtigt, ist er noch um einige Prozente ärmer geworden.

Aber auch um die Restquote muß, so legt Hoffmeyer klar, gekämpft werden. Und das bedeutet hohe Anwaltsgebühren. Zunächst übernimmt die SEC die Kosten für die Zwangsverwaltung. Später geht sie zu Lasten der verwalteten Vermögensmasse. Aber wie steht es mit den Anwälten, die von dritter Seite beauftragt worden sind? Hoffmeyer meint, daß auch ihre Honorare letztlich von allen Anlegern getragen werden müssen. Allerdings erst dann, wenn tatsächlich Kasse gemacht wird. Bis dahin muß vorfinanziert werden.

Auch hier hat sich der deutsche Anleger an amerikanische Verhältnisse zu gewöhnen. In Frage kommt eigentlich nur ein Erfolgshonorar, über dessen Höhe verhandelt werden muß. Schon jetzt zeichnet sich ab, daß die amerikanischen Anwälte "recht erhebliche Prozente von den letzten auf Grund ihres Könnens und ihrer Initiative dazugewonnenen Millionen erhalten werden".

Für die USI-Anleger heißt es also zunächst einmal zahlen, falls sie sich der Schutzgemeinschaft angeschlossen haben. Einen Sondervorteil aus ihren "Investitionen" werden sie dafür allerdings nicht erhalten. Das hat der Zwangsverwalter eindeutig festgestellt. Er sei von der SEC bestellt worden, um alle Anleger aus dem vorhandenen Restvermögeri anteilig zu befriedigen.

Als erreichbare Höchstquote nennen die Anwälte der Schutzgemeinschaft 25 Prozent der eingezahlten Beträge. Wahrscheinlich, so gibt Hoffmeyer zu, werden es weniger sein. Viel scheint davon abzuhängen, ob die Banken (als Kreditgeber Pollacks) bereit sind, Millionenforderungen gegen USI (UGF) fallenzulassen, und ob man Banken wegen Verletzung ihrer Aufklärungs- und Auskunftspflichten in Anspruch nehmen kann. Außerdem muß von den Steuerbehörden erreicht werden, daß die auf einen Millionenbetrag belaufenden Steuerschulden der Pollack-Firmen erlassen werden.