Bochum/Düsseldorf

Im Vorzimmer hängt die Aufforderung "Lächeln Sie, bevor Sie sprechen", aber Manfred Schönewald, 41 Jahre, Direktor des Ratio-Großmarktes in Bochum, ist das Lachen vergangen. In der Nacht zum 30. Juli waren Unbekannte in das Verwaltungsgebäude seines Unternehmens an der Speicherstraße eingedrungen, hatten die Alarmanlage außer Betrieb gesetzt, zwei Tresore mit Schneidbrennern aufgeschnitten und 621 000 Mark gestohlen, die in 45 Geldbomben verpackt waren. Kripo-Hauptkommissar Heinz "Terrier" Dahlmann von der Bochumer Polizei versagt den Ganoven seinen Respekt nicht: "Da waren Experten am Werk."

Die Serie fachmännisch ausgeführter Einbrüche, bei denen immer wieder die Alarmsysteme der Notrufanlagen ausgeschaltet wurden, beunruhigt das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt in Düsseldorf nun schon seit einiger Zeit. Eine Sonderkommission unter der Leitung von Kriminalrat Wolfgang Schulz verfolgt die dünne Spur der Einbrecher bis in das Jahr 1970 zurück.

Seitdem am 2. April 1970 bei der Gemeindeverwaltung Holzheim (Kreis Grevenbroich) der noch bescheidene Betrag von 1185 Mark bei einem nächtlichen Einbruch abhanden gekommen war, deuten bisher rund 20 weitere Fälle auf eine gleiche Arbeitsweise hin. Nach Auffassung der Sonderkommission ist eine fünf- bis sechsköpfige Bande am Werk, der bisher 1 850 000 Mark in die Hände fielen. Beunruhigend daran ist das Versagen der Notrufanlagen.

Der Ratio-Großmarkt in Bochum war durch eine erst vor einem dreiviertel Jahr modernisierte Anlage gesichert. "Sie befindet sich", so betont Kripo-Hauptkommissar Dahlmann, "auf dem neuesten technischen Stand." Dringen ungebetene Gäste in die abgesicherten Räume vor, lösen elektrische Impulse über Postleitungen bei der Polizei optische und akustische Alarmsignale aus. In der Nacht zum 30. Juli blieb der Warnruf in der Funkeinsatzstelle im Polizeipräsidium Bochum aus. Die Unbekannten verrichteten ungestört ihre Arbeit.

Erfahrene Schränker

Für Heinz Dahlmann gehen mindestens drei Einbrüche auf das Konto der gleichen Täter: In der Nacht zum 5. Dezember 1971 hatten Einbrecher den Selbstbedienungsmarkt der Unternehmensgruppe Max Flake GmbH in Ennepetal heimgesucht und 179 000 Mark erbeutet. Das Blockschloß der Notrufanlage war lahmgelegt worden. Zu Pfingsten 1972 verschwanden aus den Tresoren des Flake-Selbstbedienungsmarktes im münsterländischen Dorsten weitere 100 000 Mark. Die Unbekannten waren – wie in der Nacht zum 30. Juli in Bochum – durch das Dach eingestiegen.