Von Hisako Matsubara

Um 6 Uhr früh beginnt der japanische Alltag. Dann hüpfen die Farbtupfer auf die Fernsehschirme.

Nachrichtenzeit: 6 Uhr, 7 Uhr, 8 Uhr 30, 10 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr, 19 Uhr, 21 Uhr, 23 Uhr 40. Das japanische Volk wird gut informiert.

Die einleitende Melodie ertönt – aufregend, spannend. Eine sonore Stimme sagt: "Hören Sie jetzt bitte Nachrichten." Dann springt ein riesiger Schreibtisch ins Bild. Dahinter ein kleiner ernster Mann. Noch jung, aber schon sehr höflich. Dezentes Gesicht, dezenter Anzug, weißes Hemd, dezente Krawatte. Er verbeugt sich, der junge Mann, bis sein Mund fast die Schreibtischplatte küßt: "Hören Sie bitte Nachrichten." Er verbeugt sich erneut, dann spricht er in gemessenem Ton: "Heute haben wir drei Themen des Tages."

Pause.

Ein Projektionsschirm leuchtet auf. Der Sprecher spricht: "Die Regierung hat Steuererhöhungen in Aussicht gestellt." Auf der Projektionstafel hinter ihm steht zu lesen: "Die Regierung hat Steuererhöhungen in Aussicht gestellt." Das Projektionsbild bleibt, bis sicher ist, daß auch der letzte Japaner es gelesen hat. Der Sprecher spricht weiter: "Nordvietnamesische Deiche wurden nicht absichtlich bombardiert." Auf der Schrifttafel steht: "Nordvietnamesische Deiche ..." Durch ein leichtes Nicken mit dem Kopf kündigt der Sprecher seinen Entschluß an, zum nächsten Punkt überzugehen: "Der gestrige Taifun hat große Schäden verursacht." Die Schrifttafel sagt es synchron.

Wie es sich gehört, blickt der Sprecher stets nach unten. Er blickt nie voll in die Kamera, denn das wäre unhöflich gegenüber dem Fernsehzuschauer. Der tut vielleicht gerade etwas, wobei er nicht beobachtet werden möchte – auch nicht von einem Nachrichtensprecher.