Karl Schiller, Superminister im selbstgewählten Ruhestand, hat sich sichtlich ausgepokert. Sein politischer Marktwert ist nahezu täglich gesunken. Der Ökonomieprofessor wird allerdings ein Ministerruhegehalt von brutto rund 7000 Mark beziehen, wovon ihm nach Abzug der Steuern wohl knapp ‚5000 Mark bleiben. Aus seiner Mitgliedschaft im Bundestag hat Schiller zusätzlich Anspruch auf Ruhediäten. Zwar fehlt ihm noch ein Jahr Bundestagszugehörigkeit, seine achtjährige Mitgliedschaft in der Hamburger Bürgerschaft begründet jedoch den Anspruch auf 910 Mark, das Mindestruhegehalt für Bonner Abgeordnete. Dieser Betrag ist in voller Höhe steuerfrei.

Für einen Normalverbraucher ist das ausreichend, doch hat Schiller neben seiner Gattin Etta aus früheren Zeiten familiäre Verpflichtungen von etwa 2000 Mark monatlich. Gerüchte über ein Interesse des Exministers an einem gut dotierten deshalb nicht verstummen.

Doch es eilt offenbar nicht. Zunächst hat sich Schiller auf Einladung der Wildlife-Foundation auf Reisen in den afrikanischen Busch begeben. Immerhin bekommt er – auch wenn er nach den Wahlen nicht mehr Mitglied des Bundestags sein sollte – neun Monate lang ein Abgeordnetenübergangsgeld von 3090 Mark. Bis Ende September erhält Schiller außerdem noch sein volles Amtsgehalt in Höhe von 9916 Mark. Danach wird das Ruhegehalt bezahlt, sofern der Exminister nicht wieder an der Hamburger Universität als Professor doziert. Doppelverdienste – Ruhegehalt plus neues Gehalt – sind ihm indes nur in der freien Wirtschaft erlaubt. Im öffentlichen Dienst wird die Rente angerechnet.

* Über die politische Zukunft Schillers wird nach seiner Ankündigung, nicht mehr für die SPD zu kandidieren, viel gerätselt. Die CDU-Politiker Gerhard Stoltenberg, Helmut Kohl und Karl-Heinz Narjes (Rainer Barzels potentioneller Wirtschaftsminister) haben mehrfach zu verstehen gegeben, daß sie auf Schiller nicht angewiesen sind. Daß selbst Franz Josef Strauß sich seiner Schiller-Werbung nicht-mehr sicher ist, läßt sich aus seinem Parteiblatt "Bayernkurier" herauslesen: In der vergangenen Woche gab es keine einzige positive Zeile über Schiller und ein mögliches Willkommen bei der Union zu lesen.

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Norbert Blum, Geschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse, muß um seine CDU-Bundestagskandidatur in Ludwigshafen bangen. Der Grund: diverse Einwände des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. Im "Bayernkurier" wurde Blüm gar als "Schrittmacher sozialistischen Gedankenguts" attackiert. Der bisherige Bundestagsin diesem Wahlkreis, der Industrielle Udo Giulini, wird aus Gesundheitsgründen nicht mehr kandidieren und hat gegen Blüms Kandidatur keine Einwände erhoben. Blüm hat allerdings im rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Helmut Kohl, selbst Ludwigshafener, einen potenten Fürsprecher, auf den er sich verlassen kam.

Selbst Hämo George, Geschäftsführei des konservativen CDU-Wirtschaftsrates, hat keine Bedenken gegen Blüms Kandidatur. Im Wirtschaftsrat sieht man Blüms Bewerbung zwar mit "gemischten Gefühlen, aber wir steuern nicht dagegen". Dabei hätte George, der oft die Klingen mit Blüm kreuzt, sogar Grund zum Gegensteuern. Immerhin haben die Sozialausschüsse im Verein, mit der Jungen Union im Wahlkreis Offenburg wesentlich dazu beigetragen, daß George bei der Wahlkreis-Delegierten-Konferenz dem lokalen Bewerber Wolfgang Schäuble unterlag. Haupthindernis für George allerdings war, daß zwischen der Annahme seiner Bewerbung und der Kandidatenauswahl nur wenige Tage zur Vorbereitung lagen. George war dieser Wahlkreis bis dahin weitgehend unbekannt.