Von Kai D. Eichstädt

Diese Woche eröffnete die "Great American Beratungsgesellschaft" in Schwabing die jüngste gastronomische Attraktion in der Olympiastadt: Die Schnellgaststätte The Great American Disaster (Die große amerikanische Katastrophe). Wie drei Lokale gleichen Namens in London und Amsterdam wird auch das Schwabinger Lokal als Lizenzunternehmen der amerikanischen Incredible Restaurant Company geführt, einer Tochtergesellschaft der "Trans American Corporation", zu der unter anderen Beteiligungen auch die Filmgesellschaft "United Artists" gehört.

Das Gasthaus mit dem Katastrophennamen soll schon bald als "lustiger Treffpunkt für aufgeschlossene Easy-going-Typen", so PR-Berater Michael Aschke, ein Begriff in Deutschlands heimlicher Hauptstadt werden. Doch The Great American Disaster wird kein Show-Lokal. Der Gast muß sich mit mehreren Variationen der amerikanischen Nationalspeise "Hamburger" (Brötchen mit gegrilltem Hackfleisch) begnügen. Als Getränke gibt es diverse Milchshakes und natürlich Bier. Michael Aschke glaubt an den Erfolg des disaster.

Es wäre ein Überraschungserfolg. Denn schon seit nahezu zehn Jahren versuchen US-Konzerne, in Deutschland die Lücke zwischen der traditio-, nellen Würstchenbude und der unteren Restaurantkategorie mit ihren Fast-food-Betrieben zu schließen – ergebnislos. Während Imbißbetriebe – auf der Straße, in Metzgerläden oder in Warenhäusern – und Restaurants mit exotischen Speisen oder gutbürgerlicher Küche florieren, erleben die Selbstbedienungs-Schnellgaststätten amerikanischer Prägung überwiegend. Pannen.

Der Grund: Wenn Deutsche essen gehen – grob geschätzt geben sie dafür acht Milliarden Mark im Jahr aus –, dann suchen sie Gemütlichkeit oder exotischen Kitzel, deftige Speisen oder fremdartige Gerichte. Und wenn es billig sein soll, dann gibt es Wurst und Pommes frites an der nächsten Straßenecke.

An diesen Eßgewohnheiten scheiterte der gastronomische Gründungsboom, der um 1965 begann. Jeder Fast-food-Konzern wollte in den vergangenen Jahren im "Wettlauf nach den guten Lagen" dabeisein. Aus Amerika: Hardee’s Drivein, Kentucky Fried Chicken, McDonald’s und Burger Chef; aus Kanada kam Harvey’s Foods und aus England Wimpy. Bescheidenheit kannten die Neulinge nicht: Man überbot sich gegenseitig mit Zukunftsplänen. Bis 1971 wollte Wimpy mindestens 300 Betriebe in Deutschland errichten, Hardee’s plante fünfzig Niederlassungen.

Doch sie hatten sich verrechnet. Der Deutsche entwickelte nicht den Appetit auf. Hamburger, den sich die Ausländer erhofft hatten. Die Idee der Schnellfütterung in technisch standardisierten Imbißstuben mit einer begrenzten, einheitlichen Speisekarte kam in Deutschland nicht an.