ARD, Freitag, 18. August: "Dan Oakland – Karriere mit kleinen Fehlern"

Der neue Held ist ein bißchen Cassius Clay: durchtrainierter Modellathlet mit V-KÖrperform, und ein bißchen Marlon Brando in seiner Sturm-und-Drang-Periode: buschige Augenbrauen, leicht verschleierter Blick, energischer Mund, ein Gesicht, das im Zorn eher brutal als nur entschlossen wirkt. Dennoch ist er kein Killer. Ein zartes Grübchen (rechts) gibt der Physiognomie etwas Bübisches. Er ist ein großer starker Junge; dessen Herz für Ruhe, Ordnung, Sauberkeit schlägt: Dan Oakland ist Polizei-Detektiv im kalifornischen’ Santa Luisa, ein Bild von einem Mann, ein ganzer aufrechter Kerl, der Star einer neuen Krimiserie.

In der Polizistenrolle hielt sich der Schauspieler Burt Reynolds, ein Halbblut, in Amerika gerade zwei Sommer auf dem Bildschirm, dann war die Luft raus, und "Dan August", wie die Folge drüben hieß, war archivreif. Als Detektiv August wäre Reynolds, der sich kürzlich in Erinnerung brachte, indem er sich als Adonis ablichten und in einem US-Magazin abbilden ließ, in der Versenkung sicherlich gut aufgehoben gewesen. Dochdort spürte den tv-pensionierten Polizisten das Deutsche Fernsehen auf. Motto: Aus amerikanischen Archiven frisch in die deutsche Röhre.

In nichts unterscheidet sich diese Serie von denen, die wir bereits überstanden haben oder die noch laufen. Eine aufreizende stereotype Musik wie in "Hawaii fünf null"; ein schöner Mann wie Paul Temple; saloppe Sprüche wie in "die 2" ("der Bursche wird schon ausspucken"); ein sympathischer Schwarzer als zentrale Figur wie in "Mannix"; der Held arbeitet im Team wie die Flugplatzbewacher in "San Francisco Airport"; er hat einen Behördenapparat verfügbar wie Inspektor Erskine in "FBI". Und wie in vielen Serien – auch im "Kommissar" – wird hier mit der Masche gearbeitet, daß zunächst das zentrale Ereignis, der obligate Mord, vorausgeschickt wird und dann erst der Vorspann läuft.

Nicht ein Gran Originalität also, sondern ganz und gar nach bekannten Mustern zusammengeschustert. Primitiv in der filmischen Arbeit, das Augekömmt viel zu kurz. Meistens stehen oder sitzen die handelnden Personen irgendwo herum, diskutieren, kombinieren oder streiten sich. Bewegt und lebendig ist kaum eine Szene außer der Verbrecherjagd zum Schluß. Aktion beschränkt sich über weite Strecken darauf, daß der Regisseur Autos fahren läßt, mit denen sich die Akteure an den Ort der Handlung begeben.

Diese ist denkbar einfältig und strotzt von Klischees: ein schönes junges Mädchen, zur Mutter gemacht von dem superreichen, aber guten Bürger, der nun trotz des "kleinen" Fehlers Karriere als Gouverneur machen möchte; der versoffene Sohn, der den Generationskonflikt beisteuert; der schwarze Reporter, an dem sich der Rassenkonflikt aufhängen läßt; der feige Vorgesetzte, der verkannte Hippie und natürlich Danny selber, das Idol, gut, mutig, unerschrocken, stark. Wenn er die Welt in 45 Minuten in Ordnung bringt, dann kann jeder, der ihm dabei nicht zusieht, sicher sein, daß er nichts versäumt – Burt Reynolds deutsche Fernsehkarriere ist ein einziger großer Fehler. Hayo Matthiesen