Schon seit langem hört man laute Einwände gegen die Bemühungen der europäischen Industrie, gemeinsam eine Trägerrakete für den Start von Satelliten zu entwickeln. Das Hauptargument der Kritiker: Wozu ein so teures Vergnügen, wenn die USA die Raketen besser und schneller bauen, Nun mischt sich auch das Wissenschaftsministerium in die Diskussion ein und scheint das Lager der Raketengegner zu verstärken: Überraschend lud Minister Klaus von Dohnanyi zu einem Kolloquium über die Europarakete ein – und die Zusammensetzung der Teilnehmer läßt erwarten, daß die Experten zu einem negativen Votum kommen werden.

Des Ministers plötzliche Eile hat gute Gründe. Das Bonner Auswärtige Amt stellte nämlich in einer Expertise fest, daß eine Trägerrakete Europa III gebaut werden sollte. Die Diplomaten glauben erkannt zu haben, daß sich die Europäer nicht unbedingt auf US-Lieferungen verlassen können. Das Dohnanyi-Ministerium aber hat für weitere Zuschüsse kein Geld – und versucht nun auf mehr oder minder elegante Weise, das Problem aus der Welt zu schaffen.

Doch der Satellitenbedarf für Fernsehen, Rundfunk, Post und Geophysik wird weiter beträchtlich steigen. Und ohne Raketen sind die besten Satelliten nutzlos. Deshalb scheint es mehr als leichtfertig, sich in allzu große Abhängigkeit von den USA zu begeben. Mehr als einmal hat sich gezeigt, daß mit den Amerikanern besser zu verhandeln ist, wenn sie spüren, daß es auch ohne sie gehen könnte. Minister Dohnanyi wäre gut beraten, wenn er seine Haltung noch einmal überprüfen würde. hff