Von Herbert Rosendorfer

Sportstätten sind aus dem Bild der modernen Städte nicht mehr wegzudenken. Genauso haben sie ihren Platz in der Geographie unserer medizinischen Sozialstruktur – bildlich gesprochen. Die Bedeutung der Sportstätten für die Volksgesundheit ist enorm.

Ein großer Teil der Sportstätten – meist Umkleidekabinen – sind mit Holzrosten versehen. Sei es, daß in den Umkleideräumen Duschen angebracht sind, sei es, daß die Sportlerfüße Schweiß absondern, die Holzroste werden häufig feucht. Feuchte Holzroste sind idealer Nährboden für den Fußpilz. Ein Forschungsteam der Universität Münster hat vier Sportstätten in Nordrhein-Westfalen untersucht. Alle vier Sportstätten hatten Holzroste. In drei Rosten konnten wild wachsende Fußpilzkulturen von derartiger Ausbreitung und derartiger Größe der einzelnen Pilzexemplare festgestellt werden, wie sie bisher noch nicht bekannt waren.

Dr. Baswaldt, ein Mitglied des Teams, sprach von "nahezu Pfannkuchengröße" einzelner Pilze. Das ist natürlich Forscherüberschwang. Wahr ist aber, daß die Fußpilze größer waren als alle Exemplare, die die University of Maliciana unter von Computern errechneten idealen Wachstumsbedingungen zu züchten imstande war. Aber nicht nur die Größe, auch die Verbreitungsgeschwindigkeit des Fußpilzes hat sich durch den Bau von Sportstätten erheblich gesteigert. Seit die Rotchinesen in das internationale Sportgeschehen zurückgekehrt sind, gibt es für den Fußpilz nahezu keine Grenzen mehr.

Das genannte Forscherteam hat errechnet, daß der Fußpilz heute eine Erdumlaufgeschwindigkeit von nahezu 600 km pro Tag hat, in Olympiajahren sogar 650 km. Der Fußpilz wandert – nein: eilt – von Westen nach Osten. Warum, konnte man noch nicht enträtseln. Feststeht aber, daß es bereits kälte- und hitzeresistente Fußpilze gibt, wie in einer Handballhalle in Narvik beziehungsweise in einem Hallenschwimmbad im Kongo festgestellt werden konnte. Auch hat der Fußpilz längst aufgehört, nur Fußpilz zu sein. An einzelnen Sportlern konnte Waden-, Knie-, Bauch- und Schulterpilz gefunden werden. Den niederländischen Gewichtheber Arnold M. mußte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt wegen seines Fußpilzes behandeln.

Von Ost nach West – wiederum weiß niemand, warum – verbreitet sich die Syphilis. Allerdings sind hier nicht so sehr die eigentlichen Sportstätten an der Entwicklung beteiligt, sondern eher die sportlichen Sekundärerscheinungen wie Olympiadörfer und ähnliches. Die Wanze, befürchtete Professor Ygdrasilovic vor Jahren, sei in Europa ausgestorben. Bei der Olympiade in Helsinki (1952) hat aber vermutlich der schon stark von Inzucht angeschlagene Stamm der europäischen Hauswanze eine derartige Blutauffrischung erfahren, daß bereits nach der Olympiade von Rom (1960) der Wanzenstand von 1914 und 1970 der von 1820 erreicht wurde. Durch die Zunahme der internationalen und interkontinentalen Sportkämpfe wurden bisher oft nur nationale Wanzen größer, längerlebig und widerstandsfähiger.

Nicht minder wichtig als die körperliche ist die geistige Gesundheit. Das weiß man seit einiger Zeit. "Mens sana in corpore sano" ist ein Leitspruch, der selbst Sportlern geläufig ist, die sonst humanistischem Firlefanz fernstehen. Beim niedersächsischen Zehnkämpfer Kurt F. ist es gelungen, die Gehirnsubstanz ohne Rückstände in Muskeln umzuwandeln.