Nach langem Hin und Her scheinen die Europäer nun doch zur Gipfelkonferenz entschlossen zu sein. Das Programm ist zweifellos ehrgeizig, aber die Mannschaft, die sich auf den Gipfelsturm vorbereitet, macht keinen sehr sicheren Eindruck. So wird die Bundesregierung, die in Bonn gerade noch so viele Stimmen auf sich vereinigt wie die Opposition, nicht eben mit großer Überzeugungskraft auftreten können. Die italienische Regierung Andreotti vermittelt ebenfalls nicht den Eindruck imponierender Stärke. Und in den Niederlanden haben erst vor kurzem innenpolitische Streitigkeiten praktisch Zum Scheitern der Regierung geführt. Nur in Belgien und in Luxemburg ist die Handlungsfähigkeit der Kabinette nicht erschüttert.

Frankreich wird es unter diesen Umständen nicht schwer haben, seine von der Position der anderen Partner meist abweichende Meinung durchzusetzen. Zwar ist auch in Paris der Ministerpräsident gewechselt worden. Aber Staatspräsident Pompidou hat dort praktisch die Stellung eines Regierungschefs, so daß sich die französische Hältung kaum geändert haben dürfte. Pompidou wird sich folglich als Anführer der Gipfelstürmer empfinden.

Auf dem Gipfel angelangt, werden die von innenpolitischen Querelen Geplagten zwar über die Währungsunion und die auswärtigen Beziehungen der erweiterten Gemeinschaft sprechen. Doch angesichts des starken Mannes Pompidou wird keiner den Mut haben, für eine stärkere Stellung der Kommission und des europäischen Parlaments einzutreten – Themen, die ursprünglich als wichtige Punkte auf dem Programm standen. R. H.