Die Staatssekretäre Bahr und Kohl sind bei ihrer Verhandlungsrunde über einen Grundvertrag einen "kleinen Schritt" weitergekommen. Am Donnerstag voriger Woche hieß es am Ende der zweitägigen Besprechungen in Ostberlin, die DDR habe sich in zwei wichtigen Punkten (Austausch von Botschaftern der Bevollmächtigten, Vier-Mächte-Verantwortung) weniger unnachgiebig gezeigt. Beide Unterhändler gaben allerdings keine Einzelheiten bekannt, lehnten auch Terminvoraussagen ab, meinten aber, weitere 50 Runden seien wohl nicht mehr erforderlich.

Die Gespräche werden am 30. und 31. August in Bonn fortgesetzt. Ob sie noch vor dem Wahlkampf abgeschlossen werden, ist offen. Alle Parteien scheinen jedoch bereit, dieses Thema aus dem Wahlkampf auszuklammern, um Verhandlungen unter Zeitdruck zu vermeiden. Unter Umständen wird auch der Verkehrsvertrag noch vor den Wahlen verabschiedet. Die Vorlage, die am Freitag dem Bundesrat zugeleitet wird, soll als "eilbedürftig" gekennzeichnet werden. In diesem Falle könnte sie drei Wochen später vor den Bundestag kommen. Die Opposition hatte am Wochenende die angeblich schleppende Behandlung moniert.

In der Frage der umstrittenen Sofortbesuche kündigt sich ein Wandel in der Haltung der DDR an. Ihre Beamten in den fünf Westberliner Büros für Besuchsanträge sind in der vergangenen Woche ohne Ankündigung dazu übergegangen, Sofortanträge innerhalb weniger Stunden – auch ohne Angabe eines Dringlichkeitsgrundes – zu genehmigen. Bisher lagen im allgemeinen 48 Stunden zwischen Antrag und Genehmigung. Der Senat behielt sich am Dienstag eine abschließende Bewertung noch vor.

Auch in der "Fernost"-Politik gibt es Fortschritte. Peking hat japanische Politiker wissen lassen, daß es seine Beziehungen mit der Bundesrepublik noch vor einem Botschafteraustausch mit den USA normalisieren möchte. In Bonn wurde eine China-Reise von Außenminister Scheel noch vor den Wahlen nicht ausgeschlossen.