Im September werden die ersten deutschen Computer-Aktien zur Zeichnung angeboten. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Günther A. Wagner hatte sich in aller Stille im vergangenen Jahr die Herrschaft über die Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft, ein ehemaliges Kolonialunternehmen, gesichert, dessen Aktien an der Börse lange Zeit mit drei Mark je Stück bewertet wurden. Wagner ließ sie mit Hilfe einiger Banken zum Preis von sechs Mark aufkaufen. Heutiger Kurs für die 50-Mark-Aktie: 110 Mark.

Von der jetzt abgehaltenen Hauptversammlung ist das Aktienkapital von zwei auf 18 Millionen erhöht worden. Die jungen Aktien werden den Aktionären im Verhältnis 1:8 zum Kurs von 200 Prozent angeboten. Schließlich wurde die Firma in Wagner Computer AG vorm. Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft, Berlin, umgetauft. Die Familie Wagner, bisher zu 70 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, will ihren Anteil durch Verkauf von Bezugsrechten auf die jungen Aktien vermindern.

Die rechtliche Konstruktion des Unternehmens ist kompliziert. Bisher besteht die Wagner-Gruppe aus fünf selbständigen Kommanditgesellschaften, die jede für sich Berlin-Abschreibungen in Anspruch nehmen kann. Die Kommanditisten stellten insgesamt 60 Millionen Mark zur Verfügung. Das durch die Kapitalerhöhung anfallende Geld soll nun den Kommanditgesellschaften als Kredit zurVerfügung gestellt werden. Es ist beabsichtigt, die fünf Unternehmen später in die Aktiengesellschaft zu übernehmen. Wie und wann dies geschehen wird, muß der Emissionsprospekt zeigen. Die wirtschaftliche Zukunft seiner Computer-AG sieht Wagner rosig: Nicht der Absatz ist das Problem, sondern die Fertigungskapazität. Computerfachleute melden hier freilich Zweifel an.

Eines ist Wagner mißglückt: Der Versuch, über den Anlauf eines börsennotierten Unternehmens seinen Aktien ohne die üblichen Wartezeiten den Qualitätsstempel "amtlich notiert" zu verschaffen. Der amtliche Handel sowie die amtliche Notiz der Aktien der Kameruner Eisenbahn ist von den Börsenvorständen kurzerhand ausgesetzt worden. Ehe sie wieder im amtlichen Kurszettel erscheinen, werden Jahre vergehen. Dann wird man wissen, ob das umgegründete Unternehmen seine Versprechungen erfüllen kann. Seriöse Banken werden bis dahin die Wagner? Aktie "pflegen". K. W.