Eine Idee aus Amerika soll deutschen Einzelhändlern mehr Umsatz garantieren

Dierk Nastke, Geschäftsführer der MWV Gesellschaft für Marketing Werbung und Verkaufsförderung, reagiert unwirsch: "Die sind doch nur so böse, weil sie das Geschäft selbst machen wollen." Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels in Köln hatte Ende Juli die "Herren Hauptgeschäftsführer der Landes-, Bezirks- und Fachverbände" in einem Schreiben über das jüngste Serviceangebot der MWV informiert und kam dabei zu dem Schluß, daß eine Beteiligung an Nastkes "creditcard-Organisation" nicht empfehlenswert sei.

Dabei wollte die Frankfurter MWV-Agentur den zahllosen "kleinen selbständigen Lebensmittelhändlern" lediglich helfen, ihren Umsatz zu erhöhen. Wichtigstes Instrument dafür sollte ein kleines Plastikkärtchen sein, Stückpreis 1,05 Mark, das der Händler an seine treuen Kunden ausgeben sollte. Mit dem Plastikausweis sollten in Zukunft die Kunden bargeldlos einkaufen können.

Die Idee ist nicht neu. Sie stammt aus Amerika, wo Warenhäuser, Mineralölgesellschaften, Autovermieter und Barkeeper ihre Kunden mit einer Plastikkartenflut überschwemmten. Gewitzte Tüftler haben den Boom durch skurrile Erfindungen für sich ausgenutzt. So gibt es zum Beispiel Kreditkartentaschen, die sich erst schließen lassen, wenn jedes Kärtchen an seinem Platz ist. Denn zahlreiche Unterweltler leben in den USA von den Schattenseiten der bargeldlosen Gesellschaft: Mit herrenlosen Plastikkarten treiben sie schwunghaften Handel.

Diese extremen Auswirkungen hatte die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels (HDE) allerdings nicht im Auge, als sie von der creditcard aus Frankfurt abriet. Der mittelständische Einzelhandel sollte auch in Zukunft "über Preise und Qualität und nicht mit Mätzchen" den Konsumenten überzeugen. Bei der creditcard aber, so HDE-Geschäftsführer Weyhenmeyer, ist vieles nicht so, wie es wünschenswert wäre.

Unseriös scheint dem Einzelhändler-Verband schon die Werbung der Frankfurter. So wird beim Einzelhändler der Eindruck erweckt, als lägen statistische Erfahrungen über Umsatzzuwachs und gesteigerte Kaufbereitschaft durch Kartenkunden vor. Dierk Nastke: "Es ist doch logisch, ein Kartenkunde geht immer wieder in sein Geschäft, weil er ja nicht bar zahlen muß." Der gestiegene Umsatz resultiere zum größten Teil aus der Ausschaltung der "vagabundierenden Kaufkraft".

Die Argumente der HDE, so Weyhenmeyer, überzeugten die "Kameraden" der Branche. Er glaubt, daß die creditcard "schon gestorben ist". Der Initiator der Aktion zweifelt hingegen nicht an einen Erfolg seiner Organisation. Nastke ist mit dem Ergebnis der Akquisition bis jetzt zufrieden und behauptet, schon zahlreiche Kunden für sein System gewonnen zu haben. Wer diese Kunden sind, "kann er beim besten Willen nicht von sich geben". Allerdings verrät er, daß große Filialunternehmen von seiner Idee sehr begeistert seien.