Bonn, im August

Schon zwei Wochen nach der Durchsuchung der "Quick"-Büros zeigen sich selbst jene Blätter zurückhaltender, die offen oder insgeheim auf einen Skandal zum Schaden der sozial-liberalen Regierung hofften. Auch die Opposition hütet sich, weiter in die Kerbe einer angeblichen Staatsaktion gegen die Illustrierte zu schlagen. Die Angelegenheit gibt einstweilen nicht mehr her.

Von Horst Ehmke, ursprünglich als Hauptschurke dargestellt, ist überhaupt nicht mehr die Rede. Karl Moersch hat zwar den Mund zu voll genommen, als er von Journalisten sprach, die in Wahrheit Agenten seien; aber als Ersatzschuldiger taugt auch er nicht mehr. Eher sind die Kronzeugen der voreiligen Anklage ins Zwielicht geraten: Alfred Strothe, der Verbandspräsident der Zeitschriftenverleger, der durch seine Äußerungen über das vertrauliche Gespräch mit Moersch den Verdacht auf die Regierung lenkte und sich erst spät korrigierte, und Heinz von Nouhuys, der Redaktionsleiter der "Quick", der ein Stück Selbstenthüllung lieferte, als er in seinem Offenen Brief an den Kanzler wahrheitswidrig behauptete, es gehöre zum täglichen Handwerk eines jeden Journalisten, Informationshonorare zu zahlen.

Indes, so kläglich die Zwischenbilanz für jene ausfällt, die am lautesten "Haltet die Regierung" geschrien haben – die vermeintliche Affäre hat auch ihr Gutes. Am konkreten Beispiel stehen wieder die Verhältnismäßigkeit der Mittel bei Aktionen der Staatsanwaltschaft gegen die Presse und die Wahrung des Redaktionsgeheimnisses zur Debatte. Aufs neue hat sich dabei herausgestellt, daß es hier noch erhebliche Unklarheiten und Differenzen in den einschlägigen Gesetzen gibt. Um so dringender ist das Presserechtsrahmengesetz des Bundes, und um so kritischer muß die Aufmerksamkeit sein, die es findet.

C. C. K.