Neu in Museen und Galerien: Bielefeld Bis zum 17. September, Kunsthalle: "Dieter Krieg"

Dieter Krieg hätte der documenta gut angestanden, soweit sie über bestimmte Realismus-Aspekte informieren will. In den Bilderserien der letzten Jahre handhabt er mit zunehmender Perfektion die Technik des trompe-l’ceil. Die Glaskästen und Badewannen sehen aus, als ob sie reale Objekte wären. Und diese Illusion wird durch die Art, wie die Bilder präsentiert werden, noch verstärkt. Sie hängen nicht mehr an der Wand, sie stehen auf dem Boden, sind an die Wand gelehnt. Aber der Objektcharakter der Bilder wird zugleich als Täuschung denunziert. Kriegs Illusionismus hat eine geradezu desillusionierende Funktion. Er malt nicht den Gegenstand, sondern seinen Schatten, die verschiedenen Schattierungen, die der Gegenstand im Bewußtsein des Wahrnehmenden abbildet. Daher das Prinzip der Serie: Das jeweils gleiche Motiv, die Wanne, der Kasten, das Röhren- und Stangensystem, verändert sich von Bild zu Bild durch wechselnde Verteilung der Hell-Dunkel-Werte. Die Farbskala ist auf diffuse Töne von Weiß und Grau reduziert, wobei Grau nicht als Stimmungswert und Äquivalent für Melancholie eingesetzt ist, sondern als die dem Schattendasein der Dinge adäquate Farbe. Diese sehr großen, ruhigen, zurückhaltenden Bilder bedeuten eine Alternative zum photographischen Realismus der Amerikaner, die über die pure Abbildlichkeit hinausführt.

Dachau Bis zum 24. September, Schloß: "Adolf Hoelzel"

Auch die Hoelzel-Schau gehört ins kulturelle Beiprogramm der Olympischen Spiele. Ein Ausflug in die Umgebung von München, in die Frühzeit der modernen Malerei. 1888 hat Hoelzel sich in Dachau niedergelassen und hier ein süddeutsches Pendant zu Worpswede geschaffen. Der "Neu-Dachauer Stil" ist eine ziemlich genaue Parallele zur Worpsweder Malerei, der Weg führt vom Impressionismus in den Jugendstil. Hoelzels frühe Dachauer Etappe ist mit herrlichen Beispielen belegt, einige der Dachauer Landschaften sind erst in den letzten Monaten aufgetaucht und werden zum erstenmal gezeigt. Dieser frühe, bislang unterschätzte Hoelzel, der die Landschaft ornamental stilisiert, der an Heinrich Vogeler, aber auch an die Pariser Nabis erinnert, ist die eigentliche Entdeckung. Um 1905, in der Serie "Dachauer Moos", beginnt die dramatische Phase, der Konflikt zwischen der noch gegenständlich fixierten und der absoluten Form. Die "Komposition in Rot" von 1905 gilt als eines der ersten abstrakten Bilder in der deutschen Malerei. Mit über 200 Arbeiten wird das weitere Werk unter dem Titel "Hoelzels Weg zur Abstraktion" dokumentiert. In der Rolle des Wegbereiters und Lehrers (in Stuttgart sind Baumeister, Schlemmer und Itten seine Schüler) wird seine historische Bedeutung gesehen. Hoelzels künstlerischer Weg indessen verläuft nicht störungsfrei, immer wieder taucht in den abstrakten Kompositionen ein mystisch-religiöses Moment auf, das den Anspruch der theoretisch vertretenen absoluten Malerei in Frage stellt und mit Sentiment belastet. Die reine Farbkomposition wird unter der Hand zum Motiv der "Anbetung". Erst in den späten Pastellen, gegen 1930, sind die ursprünglichen Intentionen ohne weltanschauliche Hintersinnigkeit realisiert.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

München Bis zum 5. November, Bayerisches Nationalmuseum: "Spiele – Gesellschaftsspiele aus einem Jahrtausend"