Von Christel Buschmann

"Die Frau hat Hunger, will essen, hat Durst, will trinken, ist läufig, will beschlafen werden: großartiges Verdienst!" Charles Baudelaire

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Die Frau will mehr, Großartigeres. Die extremste Forderung enthält Valerie Solanas’ 1968 in Amerika veröffentlichtes "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Manner"; es verlangte mehr, als Baudelaire recht gewesen und allgemein rechtens sein könnte: "Der Mann ist eine biologische Katastrophe und nur noch seine Ausrottung ist vertretbar."

Frauenbefreiungsgeile Massenmedien haben das Emanzipationsvokabular inzwischen bis zur Unbrauchbarkeit plattgewalzt. Ein erfreulicher Lichtblick in dem Wust all der koketten, modischen Thesen und Sprüche der Freien und Frustrierten ist die Sammlung –

Anita Albus/Frank Böckelmann/Bazon Brock/Peter Gorsen/Hazel E. Hazel/Rita Mühlbauer: "Maskulin – Feminin"; Verlag Rogner & Bernhard, München; 272 S., 15,– DM.

Ihr steht obige "typisch männliche" Äußerung voran. "Maskulin – Feminin" "will dort ansetzen, wo die zur Epidemie gewordene unverbindliche öffentliche Diskussion über die Emanzipation der Frau abgebrochen wird", nämlich da, wo es mühsam wird, Zusammenhänge aufzudecken und zu beschreiben, die sich nur mühsam verkaufen lassen. Die Autoren kneifen sich nicht ständig irgendwelche unterhaltsamen Witzigkeiten ab, gehen dafür aber einer Sache auf den Grund: Was heißt maskulin, feminin, männlich und weiblich, was bedeutet vor diesem Hintergrund Emanzipation, und welche Strategiemodelle der neuen Frauenbewegung gibt es?

Der erste Aufsatz von Frank Böckelmann untersucht "Aspekte der Männlichkeit". Er unterscheidet mit Freud die idealtypische Männlichkeit von den Männern, da "die Mehrzahl der Männer weit hinter dem männlichen Ideal zurückbleibt", und konstatiert, daß sich die Männer "mit der Menschheitspose überanstrengt" haben. "Sie spielen ihre Rolle unschlüssig weiter, denn sie haben nicht die Kraft, die Erwartungen anderer genitaler Imitatoren und spezialisierter Weibchen, Erwartungen, die sie selbst mit hervorrufen, allesamt zu enttäuschen." Befreiung der Frau – das wird von Böckelmann nicht einfach in die Gegend posaunt, sondern einsichtig gemacht – bedeutet auch, "den abdankenden Weltproduzenten von ihrem Piedestal herunterzuhelfen", sie vom Leistungsdruck einer mehrtausendjährigen Rolle zu erlösen, die ihnen vorschreibt, ständig aktiv, heldenmütig, intelligent, erfolgreich und stark zu sein.