Als auf den Shetland- und Orkney-Inseln das Bier zu versiegen drohte, wurden Fischer als Streikbrecher aktiv. Bei der anschließenden Diskussion beleuchteten auch die erbosten Schauerleute ihre Kehlen mit dem Bier aus der umstrittenen Ladung.

Die Urlaubszeit und Schmuggler machten den mehr als dreiwöchigen Streik der britischen Hafenarbeiter gerade noch "erträglich": Britanniens Industrie und Bevölkerung kamen besser weg als sich die 42 000 streikenden Docker ausgerechnet hatten.

Nur wenige Betriebe mußten wegen des Ausstandes Kurzarbeit einführen oder gar schließen. Kaum ein Brite brauchte den Gürtel enger zu schnallen. Lediglich die 100 Millionen Hühner und fünf Millionen Schweine der Insel mußten einige Tage hungern: In Schiffen, Lagerhallen und Warenhäusern wurden 250 000 Tonnen Futtermittel festgehalten.

Anders sehen es die Hafendirektoren: Zwar stimmt es, daß. für Britanniens Schlüsselindustrie der Ferienmonat August der günstigste Termin für den Dockerausstand ist. Und im August können auch Lebensmittelhändler ausgebliebene Importe an Obst und Gemüse durch britischen Eigenbau ersetzen. Der "British Transport Docks Board" aber verlor täglich 36 900 Pfund an Hafen- und Liegegebühren damit kostete ihm der 24-Tage-Streik 864 000 Pfund.

Und der Streik der Schauerleute verhinderte Exporte im Wert von schätzungsweise 375 Millionen Pfund. Nicht quantifizierbar ist überdies der Vertrauensverlust in die Lieferfähigkeit der Briten für die Zukunft.

Der aufgestaute Nachholbedarf bei den britischen Händlern dürfte in den kommenden Tager. und Wochen dafür sorgen, daß Britanniens Importe übermäßig in die Höhe schnellen. Wenn die Exporte nicht Schritt halten, ist deshalb mit einer beträchtlichen Verschlechterung für September zu reinen.

Vielleicht, so hofft man in England, werden nach Öffnung der Häfen die Preise für Lebensmittel wieder fallen. Eine entsprechende Abwärtsbewegung wird freilich nur von kurzer Dauer sein – als Ergebnis des Friedensabkommens mit den Dockern rechnet man in England mit steigenden Umschlagskosten, die die Reeder über höhere Frachtraten wieder hereinholen werden. Am Ende müssen die gestiegenen Hafenkosten wieder vom Konsumenten gezahlt werden. hns