Rhodesien wird nicht an den Olympischen Spielen 1972 teilnehmen. Vier Tage vor der Eröffnung beschloß das Internationale Olympische Komitee am Dienstag mit 36 gegen 31 Stimmen, die Einladung rückgängig zu machen. Nach fast elfstündigen Beratungen ohne Pause gab IOC-Präsident Avery Brundage dieses Ergebnis bekannt.

Zahlreiche schwarzafrikanische Staaten hatten mit dem Boykott der 20. Sommerspiele gedroht, falls Rhodesien zugelassen werde. Für das Internationale Komitee kam diese Forderung überraschend. Im September 1971 hatte das IOC in Luxemburg mit Billigung der schwarzafrikanischen Staaten beschlossen, Rhodesien könne unter den Bedingungen wie zuletzt in Tokio teilnehmen: britische Hymne, britische Flagge und Eintragung in dem olympischen Ausweis als britische Untertanen. Salisbury hatte diese Bedingungen akzeptiert.

Noch in der Vorwoche hatte Brundage allen Staaten mit Sanktionen gedroht, die diese Absprachen in Frage stellten. Am Sonntag nun forderten 18 afrikanische Länder, die britische Staatsangehörigkeit an Hand der Pässe nachzuprüfen. Der Schachzug glückte: Die meisten afrikanischen Sportler Rhodesiens besitzen nicht wie ihre weißen Kollegen britische Pässe.