In deutschen intellektuellen Kreisen, von denen mich zu distanzieren ich im allgemeinen keinen Anlaß sehe, sind die Olympischen Spiele, obwohl oder gerade weil sie jetzt in Deutschland stattfinden, nicht "in". Bei jedem kontroversen Thema lassen sich mehrere Schichten von Argumenten isolieren. Beim Thema "Olympische Spiele" wird das besonders deutlich.

CONTRA:

1. Das für die Ausrichtung der Olympischen Spiele aufgewandte Geld, fast zwei Milliarden Mark, wäre sinnvoller für Krankenhäuser oder Schulen verwendet worden.

2. Die Herrschenden schieben, den Sport in den Vordergrund öffentlichen Interesses nur, um von drängenderen, aber schwerer zu lösenden oder von "systemverändernden" Fragen (sei es der demokratischen Mitbestimmung, sei es der Ungerechtigkeit gegenüber Entwicklungsländern) abzulenken. Kurz: Sport, das neue Opium des Volkes.

3. Sport ist gesund; Leistungssport ist gesundheitsschädlich.

4. Sport fördert die Gemeinschaft; Leistungssport fördert das Konkurrenzdenken.

5. Wenn das schlimme Leistungsdenken schon aus der Arbeitswelt nicht verbannt werden kann – warum es dann noch in die Freizeitwelt einführen?