Zum 4. Jahrestag der CSSR-Besetzung wurden in Ost und West zahlreiche Aufrufe veröffentlicht. Manche Unterzeichner, wie jene 37 Intellektuellen aus der Sowjetunion, nahmen damit große Risiken auf sich. Die ZEIT veröffentlicht den Auszug aus einer Erklärung von 20 CSSR-Emigranten:

In der heutigen Tschechoslowakei werden Hunderte von Menschen für politische Ansichten und Handlungen, die ein selbstverständlicher Bestandteil der Menschenrechte und -freiheiten sind, zu Gefängnisstrafen verurteilt und zehntausend weitere werden in ihrer Existenz auf das härteste bedroht.

In den vergangenen Wochen gipfelte die Verfolgung dramatisch in einer neuen Welle politischer Prozesse.

Dies geschieht gerade zu einer Zeit, in der sich die Einberufung der Europäischen Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit, mit der die Menschen die Hoffnung auf ein dauerndes friedliches Arrangement auf unserem Kontinent und eine allmähliche Oberwindung der Abgeschlossenheit der Blöcke verbinden, nähert.

Auch wir, die aktiv am Prager Frühling teilgenommen haben und – zum Unterschied von unseren Mitbürgern daheim, die zum Schweigen verurteilt sind, aber ebenso denken wie wir – die Möglichkeit haben unsere Meinung offen auszusprechen, teilen diese Hoffnungen.

Wir sind jedoch der Ansicht, daß Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nicht dauernd gewährleistet sein können, solange irgendeinem Volk das Recht, selbständig über sein Schicksal zu entscheiden, verwehrt wird. Die Sicherheit der einen kann nicht durch das Sich-Abfinden mit der Unfreiheit der anderen erkauft werden.

Im Bewußtsein dieser Tatsachen fordern wir deshalb fortschrittliche Bürger, demokratische politische Parteien und Organisationen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf, im Interesse einer tatsächlichen Entspannung in Europa zu fordern: